Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert
Freitag, 25. Mai 2012 | 20:22

 

John Updike: Landleben

20.02.2006

Rosa Fersen unter dem Morgenrock

Owen Mackenzie hat die siebzig überschritten, als er morgens mit einer Erektion erwacht und sein ausgeprägtes Liebesleben noch einmal wie ein Film vor seinen Augen abläuft. "Im einem Dämmerzustand zwischen Traum und Wachsein begegnen ihm seine erste Ehefrau, die Mathematikerin Phyllis, mit der er vier Kinder hat, und sämtliche Liebschaften aus seiner Zeit, als er sich als „Forscher auf dem Gebiet des Ehebruchs“ betätigte. Das Geschirrgeklapper seiner Frau Julia, mit der er seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammen lebt, holt ihn in die Realität zurück.

 

John Updikes neuer Roman knüpft thematisch an die Vorgängerwerke „Gegen Ende der Zeit“ (2000) und „Rabbit, eine Rückkehr“ (2002) an, in deren Mittelpunkt ebenfalls das Älterwerden, die Rückschau auf sexuelle Abenteuer und der rapide nachlassende erotische Funkenschlag im Mittelpunkt standen. Updike, der alljährlich als heißer Kandidat für den Nobelpreis gehandelt wird, weiß sich in guter Gesellschaft, denn auch Philipp Roth („Das sterbende Tier“, 2003) und Martin Walser („Der Augenblick der Liebe“, 2004) haben sich jüngst mit dem Sujet „Alter und Sexualität“ literarisch auseinander gesetzt.
All die Frauen, die Owens Lebensweg von der Pubertät bis ins reife Mannesalter kreuzten – ganz gleich, ob sie Vanessa, Alissa oder Karen hießen -, waren eine leichte Beute für den Erotomanen, zufällige „Opfer“ eines sexuellen Raubritters. Mit Julia hat er sich aufs Altenteil zurück gezogen, führt ein Leben in geordnetem Reichtum, der aus dem Verkauf seiner Computerfirma resultiert.

Vom egoistischen Casanova zum senilen Angsthasen
Owens Denken ist stets rückwärtsgewandt, er schwelgt in Erinnerungen, das Hier und Jetzt ist zur mechanischen Routine erstarrt und wirkt wie lockere Sequenzen aus einem Stück Boulevardtheater. „Wo bist Du nur, Süße? Hier. Wo ist hier?“ Da passt es, dass sich Owen von Julias „roten Fersen unter dem Morgenrock“ stimuliert fühlt und ein Geschlechtsakt an „juwelenhafte Libellen, die sich in der Luft paarten“ erinnert.
Aus Updikes egoistischem Casanova, in dessen Gedankenwelt seine vier Kinder keinen Platz finden, ist ein handzahmer, ängstlicher Senior geworden, der mit seiner Senilität vermutlich kokettiert, um von den spürbaren Anfängen abzulenken und der zudem von großen Ängsten heimgesucht wird. Im Traum sieht er seine Frau Julia in ihrer schwarzen Luxuskarosse davon fahren, und als er ihr mit seinem braunen Mitsubishi folgen will, sitzt Julia wieder am Steuer. Julias Allgegenwart verwandelt sich für die männliche Hauptfigur zur Obsession. Der betagte Owen, der mit seinen Seitensprüngen rücksichtslos viele Beziehungen zerstörte, hat seinerseits nun Angst vor dem Verlassenwerden und dem Verlust seiner Attraktivität: „Die Augenlider sind schrumplig wie bei einem Wüstenreptil, so dass sich die Falten verfangen und an den Wimpern hängen bleiben.“
Weit eindrucksvoller als die bisweilen arg schwülstige Schilderung von Owens lasterhafter Vita sind Updikes Beschreibungen des gesellschaftlichen Lebens in der Provinz. Die Spießigkeit des Kleinbürgertums, dessen Alltag sich auf fein arrangierte Standbilder von Familienfesten, Halloween-Feiern und Sportveranstaltungen reduziert, lernte der Autor schon in seiner Geburtsstadt Shillington (Pennsylvania) kennen. Eine Art Hassliebe scheint Updike mit diesem Milieu zu verbinden, in dem Dynamik und Spontaneität unbekannte Vokabeln sind.
Aber genau hier scheint für Owen Mackenzie nach seinem aufregenden Leben der richtige Platz zu sein, um seinen Seelenfrieden zu finden.

Peter Mohr


John Updike: Landleben. Roman. Aus dem Amerikanischen von Susanne Höbel und Helmut Frielinghaus. Rowohlt Verlag, Reinbek 2006, 414 Seiten 19,90 Euro (SFR 34,90)

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Sorry wegen dem Auge

Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT ...

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...