Vorweg: Helge ist besser, unendlich viel besser, bei ihm ist jeder Satz so sattelfest, mein Gott. Grebe dagegen faselt, langweilt, gurkt rum. Das ist wie Rugby ohne Ball – einfach Gepolter, erzähltes Gepolter.
Vor gar nicht langer Zeit bestieg ein Mann die Bühnen der Republik und wir lagen ihm zu seinen klavierpedalentretenden Füßen. Er gab sein Abschiedskonzert, und das, obwohl ihn noch keiner kannte. Unglaublich komisch. Er beschenkte uns mit ewig unauslöschlichen Hymnen: Wortkarger Wolfram, Thüringen, Familie Gold – was waren wir glücklich! So glücklich wie in Kindheitstagen, so hysterisch wie Pop-Teens. Wir gingen in seine Konzerte wie zur Beichte und sahen ihn, Rainald Grebe, mit Indianerschmuck, Anzug und Sandalen. Er war DIE Hoffnung unserer dümpelnden Republik. Aber er gab sein Abschiedskonzert. Und was wir daran zu Anfang so komisch fanden, wurde bittrer Ernst. Wir ahnten ja nicht, dass er ein rückwärtsgeführtes Leben lebte, hat früh alles gegeben, was er war. Und was folgt, ist der abgeklatschte Abklatsch einer frühgeborenen Kunst... Allein seine neue CD gemeinsam mit der Kapelle der Versöhnung ist ein großes künstlerisches Diffundieren. Und jetzt ein Roman, hinaufgejubelt als Ulysses Reloaded, eine Weltsegler-, Piratengeschichte. Aber es ist nicht mal ein Moby Dünn, was da so wild mit den Flossen planscht.
Diese Buch, das so dick tut, ist ein kleines Nichts. Da helfen auch nicht die seltenen Schönheiten des Textes. Im Gegenteil, sie bekräftigen die Uferlosigkeit des Textes, in dem wir gekenterte Leser, die verzweifelt nach jedem Halt greifen, keinerlei Rettung finden. Dieses Wenige blitzt auf, um kurz darauf von einer schaumaduftenden Wortwoge wieder überspült zu werden. Da hilft nur: Land suchen! Oder für alle selbstverlorenen Grebe-Jünger: Heillos darin ersaufen...
So viele uneingelöste erzählerische Versprechen wollen wir nicht, so viel Joyce-Gebärdung, doch ohne Sinn und Verstand. Und schon der erste Satz - reine Prophetie! - verriet uns ja das ganze Unglück eines Menschen der seiner von onkoduft geweihten Reihenhausseele entfliehen will: „Das Meer war von einem nichtendenwollenden Blaublau.“ Es sollte eigentlich Blabla heißen.
Christoph Pollmann
Rainald Grebe: Global Fish
Roman
Erschienen bei: Fischer
ISBN: 3-596-16916-X
Preis: 8,- ¤