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Peter Biskind: Sex, Lies & Pulp Fiction

09.12.2005

Seid witzig, aber wie Tschechow

Die wilde und mysteriöse Welt der Indies, ihre Macher, ihre Schurken.Bissig, witzig und schnell wird die jüngste amerikanische Filmgeschichte zu einem durchaus verfilmenswerten Thriller umgeschrieben. Peter Biskinds Sex, Lies & Pulp Fiction ist hardboiled, juicy und spannend. Von MAGGIE THIEME

 

Vielleicht fehlt den amerikanischen Independent Filmemachern der 90er der revolutionäre Zusammenhalt der Generation der 70er, aber laut Peter Biskind eint sie ein gemeinsamer Enthusiasmus: “die pure blaue Flamme der Leidenschaft”.
Nicht weniger leidenschaftlich knüpft der Hollywood-Chronist an sein Portrait über die Ära des New Hollywood, “Easy Riders, Raging Bulls” an. Nach Altman, Scorcese und Coppola sind es jetzt die Helden der 90er wie Tarantino, die Coens, Soderbergh, die Amerikas Filmszene eine zweite Unabhängigkeit bescherten.

“Independent” war urspünglich ein neutraler Sammelbegriff für Filmemacher und Produktionsfirmen, die außerhalb des Studiosystemes arbeiteten und alle möglichen Filme von Kunst bis Porno machten. In der neuen Generation von Filmemachern wurde der Begriff zu einem Markenzeichen des Erfolges. Autorenfilmer produzierten zu Low-Budget Bedingungen Box-Office Renner. Schräge Stoffe, volle Kontrolle, viel Geld.

 

Das hört sich gut an, doch Biskind untersucht das Markt-Paradoxon Unabhängigkeit und Kassenerfolg genauer und fragt z.B. nach der Rolle, die die genialen, wie geschäftstüchtigen Brüder Weinstein mit ihrem Verleih Miramar dabei gespielt haben. Ist die Geschichte der zweiten Independent Welle eigentlich die Geschichte von Miramar? Und wo blieb dabei die Unabhängigkeit? Wann war der Tag als die Indies ihre Unschuld verloren?
Und welche Rolle spielte Robert Redford, als der Mäzen der neuen Indies mit seinem Sundance Festival? Drückte er fördernswürdigen Projekten und Regisseuren eine stilistische Zensur auf, die über das ihm zugeschriebene Bonmot “Seid witzig, aber wie Tschechow” hinaus, jegliche Unabhängigkeit unterdrückte?

Wie schaffte es eine Handvoll Idealisten dennoch zu Kultregisseuren zu werden und den Kampf um Kunst, Kommerz und Dollars zu überleben? Wie bespielsweise Tarantino, der cool und rotzig seinen Weg vom Angestellten einer Videothek in die Jury von Cannes ging. Fängt da der Mainstream an?

Rasant versucht sich Biskind an der Beantwortung dieser Fragen und füttert sie mit einem Feuerwerk aus Klatsch, Skandalen und Anekdoten. Nebenbei macht er aus der Welt des ganz neuen Hollywood ein filmisches Universum, in dem Marlowsche Schurken, knallharte Tycoons und ehrgeizige Emporkömmlinge um die besten Produktionsbedingungen kämpfen. Bissig, witzig und schnell wird die jüngste amerikanische Filmgeschichte zu einem durchaus verfilmenswerten Thriller umgeschrieben. Hardboiled, juicy und spannend.

 

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