Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten
05.06.2006
Dolce Vita
Allessandro Piperno lässt in seinem neuen Roman drei Generationen einer Familie der römischen High Society Revue passieren. Spöttisch und furchtlos schießt er dabei spitze Pfeile auf eine jüdisch-katholische Schickeria.
Der Patriarch und Playboy Bepy Soninno segelt jahrzehntelang auf den Wassern des Erfolges und Wohlstandes. Luxus, ein elegantes Heim, ein schicker Sportwagen sind selbstverständlich. Die Jagd auf schöne Frauen, gute Geschäfte und natürlich auch Wild, ein Spiel.
Es erweist sich, dass das Schloss der Soninnos aus Staniolpapier erbaut wurde. Schon vor seinem Tode hat der Marktschreier Bepy mehr Wind als Gewinn gemacht. Die Zeiten des Triumphes sind vorbei. Nach seinem Ableben ist die übrig gebliebene Familie schockiert, aber man kann sich noch nicht ganz von dem früher gelebten Glanz befreien.
Drei Generationen im Narrenspiegel
Obwohl der ehemals so glanzvolle Rahmen fehlt, ist Enkel Daniel nicht ganz frei von den Allüren seines Großvaters. Sein Prahlen und Aufschneiden hat aber nicht mehr die Reichweite, die ihm der alte Herr einst vormachte. Deklassiert und nicht mehr so ganz zur „Jeunesse Dorrée“ dazu gehörend, rebelliert er halbherzig. Was bleibt ihm auch anderes übrig. Sein Vetter schockierte schon die Familie mit seiner Homosexualität und sein onkel toppte die Führung der Familienopposition, in dem er in Israel dem Fundamentalismus anheim fiel.
Daniel wird zum Fetischisten, der die Strumpfhosen und Slips der Mädchen klaut, dabei lässt er sich erwischen und hat endlich seinen großen Auftritt. Seiner Angebeteten schenkt er zum Geburtstag einen saftigen Gesellschaftsskandal.
Allessandro Piperno lässt drei Generationen einer Familie der römischen High Society Revue passieren. Spöttisch und furchtlos schießt er spitze Pfeile auf eine jüdisch-katholische Schickeria, die sich von Statussymbolen umgeben, gern in den Abbildungen der Gesellschaftsblättchen wieder findet, sich aber im Spiegel nicht erkennt.
“Mit bösen Absichten” ist ein Narrenspiegel, den Piperno den Enkel halten lässt und der ihn mit mehr Wehmut als wirklich bösen Absichten der römischen Hautevolee um die Ohren haut.
Maggie Thieme
Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten, aus dem Italienischen von Marianne Schneider, S. Fischer, 2006, 350 Seiten, 18,90 Euro. ISBN: 3-10-061904-8