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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:37

 

Martín Caparrós: Valfierno

25.09.2006

 
Modern gepuzzelt

Es wird gespielt, erfunden, vergessen und vor allem wird gestohlen, und zwar die Mona Lisa aus dem Louvre. In seinem Roman
Valfierno baut der argentinische Schriftsteller Martín Caparrós ein Puzzle um den Raub des berühmten Gemäldes im Jahr 1911.

 

Er heißt Bollino Juan María Perrone Bonaglia Marqués de Valfierno, er hat keine eindeutige Vergangenheit, dafür aber eine gesicherte Zukunft: Der Protagonist aus Martín Caparrós' Roman Valfierno hat die Mona Lisa aus dem Louvre stehlen lassen und sechs als Originale ausgegebene Fälschungen an verschwiegene Kunstsammler in den Vereinigten Staaten verkauft. Die Romanidee von Caparrós beruht auf einer wahren Begebenheit: Tatsächlich wurde im Jahr 1911 die Mona Lisa aus dem Louvre entwendet, die Diebe konnten Jahre später ausfindig gemacht werden, der eigentliche Drahtzieher des spektakulären Kunstraubs jedoch nicht.

Um die literarische Vorstellung eben dieses Drahtziehers dreht sich Valfierno. Kunstvoll legt Caparrós ein Puzzle aus Interviews, Erinnerungen, Perspektivwechseln an, um den historischen Tatsachen eine scheinbar wahre Geschichte hinzuzufügen. Zu diesem Zweck erfindet Caparrós nicht nur den möglichen Marqués de Valfierno, sondern auch den Journalisten Becker, der die in den Kunstraub verwickelten Personen interviewt und sich sicher ist, der Geschichte seines Lebens auf der Spur zu sein. Dieser literarische Trick der scheinbaren Authentizität ist eine der faszinierenden Seiten des Romans.

Eine weitere faszinierende Facette sind die literarischen Überlegungen um Original und Fälschung. Valfierno lässt nicht nur Gemälde fälschen, auch seine eigene Identität ist eine Fälschung. Aufgewachsen als Sohn einer einfachen Hausangestellten beschließt er eines Tages, seine Identität zu wechseln und sich unauffällig in die hohe Gesellschaft einzuschleichen, um seinen genialen Coup durchzuführen. Caparrós hebt das Spiel mit Original und Kopie aber auf eine noch höhere Ebene, indem er einen seiner Protagonisten sagen lässt: „Die Kopie ist die Basis der Zivilisation […]. Ich meine damit, daß die Welt ohne Kopie nicht existieren würde. Alles würde ständig verschwinden. Wir sind vergänglich. Und auch ein Original ist nicht von Dauer, man muß es kopieren, damit es weiterhin präsent ist.“

Solche Überlegungen machen Valfierno zu einem modernen Roman mit leichtfüßig philosophischen Zügen. Auch der Aufbau, das Puzzleartige, ist modern, jedoch nicht künstlich oder zu verschlungen, als dass man ihm nicht mehr folgen könnte. Genau wie Valfierno mit seiner Identität spielt, sie ständig neu erfindet, spielt auch Caparrós mit den Erwartungen des Lesers und gibt nach und nach immer wieder einen Mosaikstein zur Auflösung dazu.

Katharina Bendixen


Martín Caparrós: Valfierno. Roman. Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. Eichborn 2006. Hardcover. 339 Seiten. 19,90 Euro.

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