Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert
Freitag, 25. Mai 2012 | 20:37

 

Véronique Ovaldé: Alles glitzert

25.09.2006


Literarisches Leuchten

Das Leben in einem arktischen Dorf, die Kindheit und Jugend eines gebrandmarkten Mädchens und eine Umweltkatastrophe spielen die Hauptrollen in dem leichten, gelassenen Roman
Alles glitzert der französischen Autorin Véronique Olvadé.

 

Kalt und weiß ist es in der arktischen Welt, und seitdem eine Fabrik ihren Giftmüll neben einem kleinen Dorf entsorgt, schwimmen Fische bäuchlings im Wasser und Möwen greifen sogar Rentiere und Menschen an. Kikko ist das einzige Kind, das einen katastrophalen Geburtenjahrgang überlebt hat, alle anderen Kinder sind aufgrund der radioaktiven Verstrahlung verstorben. Deswegen fühlt Kikko sich anders, sie merkt, dass Spielgefährten und Dorfbewohner sie meiden, und selbst ihr alkoholkranker Vater schlägt nur die Schwester, nicht sie. Nach und nach versucht Kikko herauszufinden, was das Geheimnis der Fabrik ist und was jenseits des Dorfes auf sie warten könnte. Nachdem sie erfahren hat, was im Jahr ihrer Geburt geschehen ist, schlägt Kikko sehr zum Unmut der Dorfbewohner einen besonderen Lebensweg ein.

Alles glitzert heißt der zweite auf Deutsch vorliegende Roman der französischen Autorin Véronique Olvadé, der die Identitätssuche eines gebrandmarkten Mädchens beschreibt, ohne diese Suche tatsächlich beim Namen zu nennen. Kikko schaut sich an, wie die Schwester verprügelt wird; sie beobachtet den Vater bei seiner Arbeit als Verantwortlicher für die Eisstraßen; geduldig hört sie zu, wie Dorfbewohnerinnen davon erzählen, wie sie ihr Kind in dem Jahr verloren, in dem sie selbst als einzige überlebt hat. Sie sagt wenig und denkt dabei viel, und diesen kindlichen Denkstrom fängt Olvadé so überzeugend und dicht ein, dass die kalte und weiße arktische Welt durch die Kinderaugen zum Leben erwacht. Gelassen und ungekünstelt beschreibt Olvadé Kikkos Entwicklung von einem kleinen Mädchen zu einer jungen Frau unter außergewöhnlichen Bedingungen.

Gleichzeitig berichtet Olvadé von einer Naturkatastrophe in einem fernen Gebiet, die durch Leichtsinn und Ignoranz ausgelöst wurde. Es sterben nicht nur die Kinder und Fische, auch die Fabrikarbeiter werden durch den Kontakt mit dem radioaktiven Gift nach und nach zugrunde gehen. In dem Roman sind sie jedoch nur Saisonarbeiter, die schnell durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden. Olvadé bearbeitet damit ein ungewöhnliches Thema für einen Roman, der in einer ebenso ungewöhnlichen, wie faszinierenden Landschaft spielt. Dort glitzert tatsächlich alles, und der Roman selbst sendet auch ein kleines Leuchten aus: ein dünnes Buch, das nicht unbeachtet bleiben sollte.

Katharina Bendixen


Véronique Ovaldé: Alles glitzert. Roman. Aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Claudia Kalscheuer. Antje Kunstmann 2006. Hardcover. 192 Seiten. 16,90 Euro.

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Sorry wegen dem Auge

Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT ...

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...