Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert
Freitag, 25. Mai 2012 | 18:16

 

Heine: Sämtliche Schriften

02.11.2006

Die Revolution, feins Liebchen und der Dichter aller Zeiten

Heine verspricht Zuckererbsen für jedermann – wenn die Schoten platzen. Die Gesamtausgabe bei dtv hat das erreicht: den ganzen Heine zum Jedermannpreis.

 

Heine-Bücher gibt es wie Sand am Meer – für Germanisten, für Gestresste, für Hausfrauen, für gestresste Germanisten und für Germanisten-Hausfrauen im Stress. Sein Todestag heuer brachte schon im Vorfeld – fast so, als hätte es die Zunft nicht erwarten können, dass der alte Harry endlich hundertfünfzig Jahre tot ist – eine neue Sintflut an Biographien hinzu. Aber es gibt nur einen Heinrich Heine – oder, wie er sagen würde: „Gewiß, wir sind alle Brüder, aber ich bin der große Bruder.“

Es ist immer noch höchst heiter und erfreulich, dem großen Bruder bei der Arbeit zuzusehen – und das geht nur in der ausgezeichneten Werkausgabe von Briegleb, die 1975 in zweiter Auflage bei Hanser erschien und hier zugrunde gelegt wurde. Die dtv-Ausgabe ist mit dieser band- und seitenidentisch und bietet wie diese nicht nur den kompletten Heine, sondern ebenfalls die Streichungen, Bearbeitungen, Erläuterungen, die Korrespondenzen aus dem Kontext und Verweise im Werk.

So findet man z. B., will man den fälschlicherweise als Feuilletonisten kolportierten Essayisten Heine lesen, in den Anmerkungen zur „Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ nicht nur all die Namen und Verweise aufgeschlüsselt, ohne die das sehr stark in den Zeitgeist eingebundene Werk nicht ganz zu verstehen wäre. Man wird auch verwiesen auf Parallelstellen, die bestimmte Positionen, etwa gegenüber Hegel, der hier als Vollender der deutschen Geistesgeschichte erscheint, in der „Romantischen Schule“ aber wegen seiner „spinnwebigen Dialektik“ belächelt wird, deutlicher machen, und die sogleich mit dem Hinweis auf Heines „Verschiedenartige Geschichtsauffassung“ den Eindruck relativieren, Heines dialektische Geschichte des deutschen Geistes sei allzu parallel zu Hegels gestrickt.
Wer über dieses sorgfältige Lesen den Eindruck gewinnt, es bei Heine nicht nur mit einem auf politische Relevanz zielenden Historiker der deutschen Kultur, sondern auch mit einem Programmatiker zu tun zu haben, findet in dieser kritischen, kommentierten Ausgabe die Möglichkeit, dem nachzugehen. Der gute Apparat gibt Hinweise für eine weiter ausgreifende Lektüre, die deutlich macht, dass Heine eine eigene philosophische Position entwickelt: einen klassischen Sensualismus, der das harmonisch wohlgestaltete Zusammenspiel aus kritischer Vernunft und genussfreudiger Sinnlichkeit meint.
Wer nun so auf eine solche Position käme, könnte sich zu ihr ins Benehmen setzen und angesichts der Frage, ob sie für den Einzelnen wie für eine Gesellschaft überhaupt möglich und/oder dienlich ist, in Heine einen Gesprächspartner finden, dessen Aktualität über die bloße Tatsache weit hinaus geht, dass einer unserer beliebtesten und umstrittensten Dichter nun seit dem 17. Februar genau dreimal fünfzig Jahre tot ist.
Und das ist nur die Skizze eines Reisebilds durch Heines Schriften. Lektüren gibt es wie Sand am Meer, aber es gibt nur einen Heinrich Heine.

Björn Vedder


Heinrich Heine: Sämtliche Schriften, 6 Bände. Hrsg. v. Klaus Briegleb.
Deutscher Taschenbuch Verlag 2005.
78,00 Euro.

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Sorry wegen dem Auge

Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT ...

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...