"Nicht verwunderlich, daß Big Trouble derzeit von Barry Sonnenfeld verfilmt wird. Der Film kommt voraussichtlich im Herbst 2001 in die Kinos" - so endet das Presse-Info, das mit Dave Barrys erstem literarischen Versuch "den irrwitzigsten Roman dieses Bücherfrühlings" ankündigt. Nun, der ein oder andere Cineast wird begeistert sein, dass er den Film schon jetzt, ein halbes Jahr vor offiziellem Start, goutieren kann. Denn die Kaufkassette liegt bereits vor - in Buchform.
Größe und Geschmacklosigkeit des Hardcovers kündigen es an - ein Band mit VHS-Format. Prompt materialisieren sich im Vorspann Graphemspuren, die einen die Löschschutzlasche nicht vermissen lassen. Der Autor schützt sich launig vor Schadensersatzklagen mit dem Hinweis, sein Buch sei "für Jugendliche nicht geeignet." Weit weniger noch für normal begabte Erwachsene, möchte man hinzufügen und Millionen einklagen. Aber wir sind ja nicht in Amerika, und als Europäer ist man schon zufrieden, dass die 324 Seiten ein ausreichendes Hindernis für gewissenlose Raubkopierer darstellen.
Der Plot ist schnell erzählt - und da er das einzige ist, was das Buch zu bieten hat, sollten Interessenten an dieser Stelle die Augen schließen. Big Trouble entsteht, weil ein durchschnittlich liebenswerter Penner, zwei russische Waffenhändler, ein ganz böser Stiefvater mit überdurchschnittlich liebenswertem Anhang, ein geschiedener, unterdurchschnittlich erfolgreicher, aber liebenswerter Werbetexter mit ebensolchem Sohn, zwei andere, unsympathische Penner, und zwei erneut liebenswerte Auftragskiller ausgerechnet in Miami mit einer Atom-Bombe Slapstick veranstalten. Dazu kommt die übliche Anzahl Polizisten, die man aus der Klamottenkiste kennt. Auf dem Weg zum Showdown auf Miamis International Airport holen sich alle lustige blaue Flecken, und die Bösen noch ein bisschen mehr.
Augen wieder auf, das war's. Zu diskutieren ist eventuell noch die Frage, wie der Verlag auf die Idee gekommen ist, den Riesenstress als Roman zu etikettieren. Auch wenn es im allgemeinen erfrischend sein mag, dass Eichborn sich wenig um die Grenzen des korrekten Geschmacks schert - hier hat man deutlich über die Stränge geschlagen. Einen Barry hat das - ohnehin von vielen und vielem gebeutelte - Genre nicht verdient.
Der gelernte Kolumnist tut nachgerade gar nichts, um seinen Text von dem einer eloquenten Bühnenanweisung zu unterscheiden. Narration ist ihm ein bloßes Abarbeiten mehr oder zumeist weniger amüsanter Tortenschlachten, das in seiner stilistischen Nacktheit fast schon obszön wirkt. Nein!, auch mit dem reduzierten Stil Hemingways hat das nichts zu tun. Im Golf von Mexiko schmelzen die literarischen Eisberge, bevor Barry "Fiesta" sagen kann.
Aber um auch die verbliebenen Interessenten inhaltlich nicht ganz im Passat stehen zu lassen, hier noch ein Ausschnitt aus dem einschlägigen Klappentext: "Es beginnt eine Kette von Ereignissen, die das Leben aller Beteiligten verändern wird. Einige werden etwas weiser, manche etwas weniger lebendig und andere auf der Suche nach einem neuen Job sein." Also Bildungs- und Schauerroman - oder doch die verkuschte Empfehlung an den Autor, sich nach der Literatur ein neues Hobby zu suchen? Bei Kinostart werden wir weiser sein. Hoffentlich.
Mathias Tretter
Dave Barry: Big Trouble. Roman. Eichborn. 324 S. DM 39,80. ISBN 3-8218-3082-4