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Freitag, 25. Mai 2012 | 18:20

 

Angela Krauß: Wie weiter

17.12.2006


„Traumlos geht nicht“


Der Roman Wie weiter von Angela Krauß ist eine kleine Philosophie der Zeit und der Liebe und ein poetisches Buch von raffinierter sprachlicher Schönheit.

 

“Hier bin ich. Das Kaiserspiel auf der Bettdecke. Unten die spitzen Schuhe. Auf dem Scheitel der Abdruck eines Gedankens. Soviel zu meiner Person.” – Mit diesen Sätzen präsentiert sich die Ich-Erzählerin von Angela Krauß’ neuem Buch Wie weiter. Drei „Liebesmenschen“ hat sie: Roman, der an ihrer Seite schläft, Leo in Amerika, mit dem sie lange nächtliche Telefonate führt, und Toma, die „tatarische Nomadin“ aus dem postsowjetischen Osten.

Mit allen dreien führt die Erzählerin verschiedene Leben: „Ich habe sie nie miteinander bekannt gemacht. Was würde aus ihnen, wenn sie genötigt wären, etwas miteinander anfangen zu müssen, meine Liebesmenschen? Etwa ein Freundeskreis?” Neben Menschen sind es Tiere, die als Bezugspersonen fungieren: die Kastanorka genannte Schildkröte, Elefanten, Eisbären und Vögel im nahen Zoo, und Popolo: „Ohne weiter zu fragen, hatte sich der junge Kater das Haus angeeignet. […] Er war Hochspringer und zeigte es bei jeder Gelegenheit. […] Er dachte, wir begriffen es noch immer nicht, obwohl es doch zu sehen war: Nur wer nicht lebt, altert nicht.”

Immer wieder scheinen Fragen auf: nach der Vergangenheit, insbesondere den Ereignissen des Herbstes 1989 und der Zeit danach, nach Märchen, Chaos und Zufall, aber auch nach der Zukunft. Christa Wolf nannte eine 1990 erschienene Erzählung Was bleibt; bei Angela Krauß erfüllen die beiden ebenfalls ohne Fragezeichen stehenden Worte „Wie weiter” eine ähnliche Funktion. In Verbindung mit dem Bild vom Mikado-Spiel durchziehen sie leitmotivisch den Text. So entwickelt sich aus einer scheinbar schlichten Feststellung ein Zwiegespräch: „Das geht so nicht weiter. / Wie? / Ohne Traum. Traum von der Zukunft. / Was? / Traumlos geht nicht.”

Wie weiter ist eine kleine Philosophie der Zeit und der Liebe und ein poetisches Buch von raffinierter sprachlicher Schönheit: „Ich hatte meinen Kopf in die Hand gestützt, weit über den Tisch zu ihm hingelehnt, lächelte ich ihn an, noch frisch verwundert, daß ein fremder Mensch innerhalb von drei Tagen in ein lange leerstehendes Zimmer meiner Seele eingezogen war.”

Frank Thomas Grub


Angela Krauß: Wie weiter. Suhrkamp Verlag 2006. 117 Seiten. 14,80 Euro.

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