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Freitag, 25. Mai 2012 | 18:31

 

Olivier Mau: Myrtille am Strand

29.04.2007


Nervige Verwandte und Verbrecher


Irrwitzige Groteske und schwarzer Krimi unter südfranzösischer Sonne mit einer tapferen Polizistin als Anti-Heldin.

 

Die 33-jährige Polizistin Myrtille Xiao-Mei reist nach Toulon, um ihren toten Vater zu beerdigen. Gewiss keine glückliche Rückkehr in die Heimatstadt ihrer Kindheit, denn der Vater hat sie und ihre Mutter einst sitzengelassen. Entspannen kann sie also keineswegs, und bereits bei Myrtilles Ankunft am Flughafen werden Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens brutal umgebracht. Damit hat sie jedoch nichts zu tun, vorerst zumindest. Die Begegnung mit der eingebildeten Halbschwester und ihren verzogenen Kindern entwickelt sich wie erwartet, die Abneigung ist gegenseitiger Natur, und allein die Existenz der jeweils anderen ist eindeutig zu viel. Zu allem Überfluss will der pubertäre Neffe sich an Myrtille ranmachen. Beim Notar kommt es dann zur Katastrophe, Myrtille erbt unerwartet einen Großteil des Vermögens, woraufhin die Schwester sich erwartungsgemäß anbiedert.
Gleichzeitig jagt der übereifrige Commandant Rembrandt einem tschetschenischen Waffenhändler hinterher. Mord folgt auf Mord, und Rembrandt meint, Myrtille stecke in der ganzen Angelegenheit mit drin. Schließlich habe sie geerbt, und am Tag ihres Auftauchens sterben auch verdächtig viele Menschen eines unnatürlichen Todes. Dabei möchte Myrtille nur wieder nach Paris zurückkehren und nicht den Verdächtigungen sowie den Annäherungsversuchen von Rembrandt ausgesetzt sein. Zwei Kriminalfälle vermischen sich hier, denn nicht nur Waffenhändler sind in dem malerischen Luxusort am Cap tätig, eine weitere Gruppe ist hinter einem millionenteuren Renoir-Bild her, das Myrtille geerbt haben soll. Doch gesehen hat es bisher keiner.

Roman Noir

Ausgeheckt hat dieses Massaker aus Witz und Spannung der französische Autor Olivier Mau. Für ihn ist der Roman Noir ein Gesellschaftsroman, in dem der Leser erfährt, wer an der Macht ist und wie das Leben zur jeweiligen Zeit ist. Die Figuren stehen an erster Stelle, der Kriminalfall kommt gleich danach. Will man dem Klappentext Glauben schenken, dann entspricht Myrtilles Abenteuer seinem Charakter: „Olivier Mau erblickt 1967 das Licht der Welt. Er wird überall gefeuert und verbringt als französischer Landesmeister im Schulrauswurf seine Zeit damit, über Jules Verne zu reden und damit jedem auf den Keks zu gehen. Aus dem Militärdienst wegen Widerspruchsgeist entlassen, entdeckt der junge Mann den roman noir, was die Sache nicht gerade besser macht.“
Ursprünglich war Myrtille am Strand als „One Shot“ geplant, als ein vierundzwanzigstündiges Spektakel mit Menschen, die dem Leser wenig sympathisch sind. Nerven bereits ihre Verwandten und Kollegen, kommt Myrtille eingebildet und zynisch daher, dafür aber erfreulich schlagkräftig und einfach menschlich. Maus Verleger schlug dann vor, eine Serie zu schreiben, eine Myrtille-Trilogie, deren erster Band dank des Förderprogramms des französischen Außenministeriums ins Deutsche übersetzt wurde.
Olivier Maus Roman Noir ist eine Groteske über Verbrecher, Beamte und eine tapfere Polizistin als Anti-Heldin. Myrtille-Leser sind überzeugt: Wo Myrtille hinkommt, da geht es rund!

Ulrich Blode


Olivier Mau: Myrtille am Strand. Aus dem Französischen ins Deutsche von Richard Betzenbichler. Shayol Verlag 2006. Klappenbroschur. 145 Seiten. Euro 12,90.

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