John von Düffel wurde nach seinen glänzend erzählten Familienromanen
Vom Wasser (1998) und
Houwelandt (2004) nicht zu Unrecht als einer der begabtesten Romanciers der jüngeren Generation gehandelt. Nun hat er sich eines Paares in den besten Jahren angenommen, beide Schauspieler um die Vierzig und rundherum glücklich in einer harmonischen Musterbeziehung.
Und doch klagt der männliche Protagonist, dass "ihm das Dramatische im Leben völlig abhanden gekommen war." Die einschneidenden emotionalen Ereignisse spielten sich nur noch auf der Bühne ab. John von Düffel, der als Dramaturg am Hamburger Thalia Theater arbeitet, schildert die Theaterwelt - mit all ihren Marotten auf und hinter der Bühne - nicht nur kenntnisreich, sondern auch ausgesprochen unterhaltsam.
Aber das Theaterleben wird zusehends in den Hintergrund gerückt, da Lisa, die weibliche Hauptfigur, mit Hilfe der modernen Reproduktionsmedizin schwanger wird. "Die Mütter im Ensemble meiner Frau umringten sie in matriarchalen Fruchtbarkeitstänzen. Die Väter unter meinen Kollegen wurden nicht müde, mir auf die Schulter zu klopfen."
Brokkoliauflauf und alkoholfreies BierDie seitenlang referierte, mit großem Pathos formulierte Vorfreude des Mannes, der endlich das Familienglück komplettiert sieht, würde sich bestens für eine Werbebroschüre von Bundesfamilienministerin von der Leyen eignen. Autor John von Düffel, selbst im Alter seiner Romanfiguren gerade Vater einer Tochter geworden, schickt den werdenden Papa dann jedoch durch ein Wellenbad der Gefühle. Er lässt uns an Verunsicherungen und Selbstzweifel über die anstehende neue Rolle im realen Leben teilhaben, wechselt dabei flugs zwischen Ich-Du-Er-Erzählperspektive, ohne dass sich dem Leser die Leiden der Kopf-Schwangerschaft wirklich authentisch erschließen.
Um den Roman noch einmal etwas auf Drehzahl zu bringen, lässt von Düffel einen Studienfreund seines Protagonisten auftreten. Jener Hans-Christian (HC) Meyerdierks, ein Paradigma für den biederen Juristen im Staatsdienst, trifft mit den werdenden Eltern bei Brokkoliauflauf und alkoholfreiem Bier zusammen und vertraut zu vorgerückter Stunde seinem Freund an, dass er Probleme mit dem Kinderzeugen habe - verbunden mit der vorsichtigen Nachfrage, ob der Freund nicht für ihn einspringen könne. Um ein Bruchteil an Spannung in diesem reichlich monoton dahin fließenden Roman zu erhalten, soll die Entscheidung des Protagonisten hier nicht vorweg genommen werden.
John von Düffels Roman
Beste Jahre erinnert sehr stark an das kredenzte Abendessen. Brokkoliauflauf und alkoholfreies Bier taugen weder zum Zunge Schnalzen noch zum Berauschen. Es ist biedere Alltagskost.
Peter Mohr
John von Düffel: Beste Jahre. Roman. Dumont Verlag, Köln 2007. 249 Seiten. 19,90 Euro.