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Freitag, 25. Mai 2012 | 18:47

 

Nick Hornby: Slam

18.02.2008



Das Leben ist eine Halfpipe

Ein gutes Buch? Ein schlechtes Buch? Eines ist sicher: Nick Hornby bleibt sich selbst treu und seine Leser werden ihm treu bleiben.

 

Es gibt Momente im Alltag eines Rezensenten, in denen er an seinem eigenen Urteilsvermögen zu zweifeln beginnt. War das, was ich da eben gelesen habe, nun tatsächlich ein guter Roman? Jetzt, zu Beginn dieser Rezension, fühle ich recht deutlich, dass es sich wohl um eben einen solchen Moment handeln muss.
Also beginnen wir doch einfach mal bei den Fakten: Slam, der neue Roman von Nick Hornby, ist gefühlt seine zehnte Veröffentlichung in den letzten Jahren. Seine karrieretechnischen Glanzlichter High Fidelity und About a boy funktionierten erstaunlicherweise sowohl als leicht melancholische, aber stets witzige Pop-Literatur als auch als charmante kleine Hollywood-Komödien. Nick Hornby ist ein fanatischer Verehrer der Populärkultur. In seinen Romanen spielen, je nachdem welchen man gerade zur Hand nimmt, Fußball, große Alben der Rockgeschichte oder markenbewusste Kleidung stets eine gewichtigere Rolle als das Kokettieren mit klassischem Bildungsgut.

So viel zu den bekannten Fakten. Auch Slam gliedert sich ganz gut in diese Kurztypologie des Hornbyschen Oeuvres ein. Der 15jährige Protagonist Sam ist ein begeisterter Skateboarder und überdies ein nahezu fanatischer Fan der Skaterlegende Tony Hawk. Dies geht gar so weit, dass ein Tony-Hawk-Poster in seinem Kinderzimmer zu seinem liebsten Gesprächspartner und besten Kumpel mutiert – auch wenn es nur Passagen aus Tony Hawks Autobiographie zum Besten geben kann. Wir sehen, der Pop-Faktor ist wieder einmal ausgiebig vorhanden. Abgehakt.

Tragik ist Komik in Spiegelschrift

Sam ist der Spross einer jungen, allein erziehenden Mutter, die ihn im jungen Alter von 16 Jahren bekommen hat. Zu seinem Pech schließt sich im weiteren Verlauf des Romans der familiäre Schicksalskreis und seine Freundin wird ebenfalls schwanger. Ergo: Sam wird mit 16 Papa. Dieser Plot ist nun beileibe keine sonderlich ausgefeilte, von literarischer Meisterhand federleicht hingezauberte Konstruktion, aber er lässt viel Raum für Tragik und Komik, so dass Hornbys neuen Roman stets ein Hauch süßer Melancholie umweht. Also auch diese übliche Werkkonstante können wir auf unserer Hornby-Checkliste getrost abhaken. Eine Verfilmung würde sich, wie immer versteht sich, übrigens auch sehr gut machen.

Nun also raus mit der Sprache: Das ist doch nun wieder das allergleiche Gemisch, das der geneigte Leser seit Jahren bei Nick Hornby findet. Seichte aber lebensnahe Plots, ein bisschen britischer Lokalkolorit, gewürzt mit einer Prise Autobiographie und einer handvoll Pop. Braucht das denn noch irgendjemand?

Ich bekenne freimütig: Wer mir in ein paar Wochen detaillierte Fragen über Slam stellt, wird nur ein unwissendes Achselzucken zur Antwort bekommen. Wenn die Verfilmung die Kinos entert, werde ich keine Ahnung mehr vom Roman haben. Aber die wenigen Stunden, die ich mit Slam verbracht habe – noch so eine Konstante, Hornby liest man schnell – waren definitiv schöne, unterhaltsame Stunden.

Die Kunstfertigkeit einer Soap?

Slam ist weit davon entfernt ein literarisches Meisterwerk zu sein. Gerade der etwas seltsam anmutende Kunstgriff Tony Hawk nicht nur zur Bezugsfigur, sondern ihn auch noch zu einer Art schamanischen Toröffner zu Vergangenheit und Zukunft zu machen, driftet schnell ins Lächerliche ab. Die Dialoge wirken ab und an bemüht und echtes Lokalkolorit mag auch nicht aufkommen. Die Rollenprosa – Sam erzählt uns vertraulich, fast kumpelhaft seine Geschichte – überzeugt nicht wirklich. Hornby hat also auch schon bessere Bücher geschrieben.

Aber, und dies ist ein richtig großes ABER, kaum ein anderer Gegenwartsautor schafft es, seine Leser mit der Kunstfertigkeit einer Soap zu unterhalten und ihnen dabei trotzdem das Gefühl zu geben, dass sie ihre Zeit mit der Lektüre nicht sinnlos verplempern. Denn ab und an ist sie eben dann doch wieder da: Hornbys Gabe, Belangloses belanglos zu beschreiben und dabei ein authentisches Lebensgefühl einzufangen; seine Gabe, witzig zu sein ohne dabei bemüht zu wirken. Und noch mehr: sein feines Gespür für Pointen, zumal für die bitteren; sein entwaffnend ehrliches Bekenntnis zur Freude an den kleinen Dingen im Leben.

All dies zeichnet auch seinen neuen Roman aus und macht ihn zu einem kurzweiligen Leseerlebnis. Man kann seine Lesezeit sicherlich besser investieren als in Slam. Aber ob man dabei besser unterhalten wird, ist eine ganz andere Frage.

Sebastian Karnatz


Nick Hornby: Slam. Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Kiepenheuer & Witsch Köln 2008. 324 Seiten. 17.95 Euro.

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