„Durch Bilder, die sich auf der Netzhaut einbrennen und mit der Beschreibung alltäglicher Katastrophen schickt er uns alle auf einen skurril-komischen, aber auch beunruhigenden trip durch die Realität.“ So weit der Klappentext. Naja.
Die Ingredienzien: Dirk arbeitet in einer Werbeagentur, die ein Computerspiel vermarkten soll. Julia, Dirks Freundin, wird schwanger. Dirk ist der Situation nicht gewachsen, flüchtet vor der Verantwortung. Natascha soll Werbegirlie der ThRAX-Kampagne werden. Und – was sonst: Dirk will Natascha vernascha. Das alles ist nicht so ungeheuerlich originell. Und dann platzt mitten in diese New-Generation-Szenerie der Terroranschlag vom 11. September hinein. Das macht die Geschichte nicht origineller, schafft aber doch allein durch die Aktualität eine besondere Note.
Roland Spranger trifft den richtigen Ton. Er scheint den Jargon und die Regeln der New Economy bestens zu kennen (obwohl er derzeit im wirklichen Leben in einer Wohngemeinschaft mit geistig behinderten Erwachsenen arbeitet). Seine Sätze tragen alle eine - mal mehr, mal weniger - untergründige, aber sehr wohl zündende Ironie, die allerdings auch öfters mal einen Bruch vertragen könnte. Man liest das gerne und locker runter und kann an vielen Stellen nur beipflichtend und schmunzelnd nicken: ja, genau so ist es. Leute, Verhaltensweisen der beschriebenen Art sind einem bestens vertraut. Und auch die inneren und äußeren Reaktionen auf den 11. September sind nicht künstlich aufgeblasen oder politisch reflektierend erhöht, sondern ganz aus ganz privater Perspektive geschildert. Auch das durchaus gelungen, sympathisch und vertraut.
Und trotzdem bleibt am Ende eine nachhaltige Unzufriedenheit zurück, die nicht nur mit dem offenen Ende zu begründen ist, denn irgendwie hat man nach dem letzten Satz das Gefühl, jetzt könnte es erst richtig losgehen. Nein, es ist eher so, dass man sich fragt: Na und? Schöne Rede, aber wozu eigentlich. Die Story besitzt eine Flüchtigkeit und die Figuren eine Beliebigkeit, die eine traurige Leere hinterlassen. Insofern ist Sprangers Stil eine adäquate Art zur Beschreibung eines sich an Oberflächlichkeiten entlanghangelnden Lebensstils, eines Wohlstandsdaseins ohne innere Verwurzelung. Und in dieser Hinsicht passt auch der durchgängig coole, immer souveräne, lässige, witzige bis zynische (Unter-) Ton.
ThRAX ist eine gelungene Momentaufnahme einer („Fun“-) Generation, besser: einer verbreiteten Lebenshaltung. Ob das Buch tatsächlich als Roman zu bezeichnen ist, sei dahingestellt, ist aber auch nicht wichtig. Jedenfalls ist die erwähnte Unzufriedenheit sicherlich weniger der Machart des Buches anzulasten als den beschriebenen Realitäten selbst.
Anselm Brakhage
Roland Spranger: ThRAX. Rake Verlag 2002. Taschenbuch, 190 Seiten. 14 ¤. ISBN: 3-931476-37-5