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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:40

Nicolas Fargues: Die Rolle meines Lebens

21.09.2009

Viel Rolle, ein bisschen Leben

Neben seinen Rollen als zweitklassiger Schauspieler in Werbespots und Fernsehserien spielt der von einem schwarzen Vater und einer weißen Mutter abstammende Mittdreißiger Antoine Mac Pola auch im Leben eine ganze Menge Rollen. Welche Rolle davon die seines Lebens ist, darüber darf spekuliert werden. Von SIBYLLE LUITHLEN

 

Der 1972 in Meulan, Ile de France, geborene französische Schriftsteller Nicolas Fargues hat sich dem deutschen Publikum vor zwei Jahren mit seinem fünften Roman Nicht so schlimm vorgestellt, einem autobiografischen Ehedrama, das in Frankreich gefeiert und gleich in elf Sprachen übersetzt wurde. In Beau rôle (so der Originaltitel des vorliegenden Romans) lässt er uns mit Antoine Mac Pola zuerst durch Paris, später über die Concordinen, eine Inselgruppe mit allen Merkmalen der Misswirtschaft, Armut und Korruption eines Dritte-Welt-Lands, und noch später durch das eisige und nächtliche Sankt Petersburg stolpern, aus dem er überstürzt ins heimische Paris zurückkehrt. Neben dieser geografischen Reise werden wir aber vor allem auf eine Reise durch das angekratzte und sich auf einer permanenten Jagd nach Bestätigung befindende Ego des Schauspielers genommen, der in einem einzigen Kinofilm mitgespielt hat und sich seit dem berechtigt glaubt, auf die Normalsterblichen herabzublicken. „White stuff“ sollte der Anfang einer richtigen Karriere werden, droht jedoch, sich als deren Höhepunkt herauszustellen, denn Mac Pola bekommt kein Folgeengagement. Neben den unklaren beruflichen Perspektiven kämpft er damit, dass seine spanische Freundin Elvira ihn verlassen hat, und macht im Laufe des Romans mehrere vergebliche Versuche, sich ihr wieder anzunähern.

Mac Pola befindet sich auf einem permanenten Schlingerkurs zwischen Arroganz und Minderwertigkeitskomplexen; ein gebeutelter Narziss, der nicht nur mit der Filmbranche und den Frauen hadert, sondern vor allem mit seiner Hautfarbe, wegen der er immer irgendwie zwischen den Stühlen sitzt: in der französischen Gesellschaft mit ihrem verlogenen Antirassismus, aber auch bei seiner schwarzen Familie, bei der er der misstrauisch beäugte, halb bewunderte und halb gehasste Europäer ist.

Selbstbezügliches Labyrinth

Die Rolle meines Lebens
ist ein Roman über die komplexen Beziehungen von Schwarz und Weiß, auch noch in der heutigen Gesellschaft, über amerikanisches und französisches Kino, über einen Mann, der beruflich in den Netzen einer willkürlichen Filmwelt und privat in denen von lieblosen und manipulativen Beziehungen zappelt, der seine Mitmenschen ebenso zu benutzen versucht, wie sie ihn benutzen, gleichzeitig aber darunter leidet.

Als Leser folgt man Antoine Mac Pola über 200 Seiten lang durch sein selbstbezügliches Labyrinth, seine ausufernden Monologe und seine permanente Selbstbeobachtung, die einem zeitweise auf die Nerven geht. Und er taugt so wenig zum Sympathieträger, dass es einem irgendwann schlicht egal ist, ob er die schöne und berühmte Aliénor (man bemerke die Nähe zu frz. „aliéné“, „entfremdet“) ins Bett bekommt oder nicht. „Ich könnte kein Freund von ihm sein, wirklich, ich wäre angewidert von seiner pseudo-intellektuellen Attitüde – nein, ich mag ihn nicht wirklich“, sagt der Autor in einem Interview, und uns geht es ebenfalls ein bisschen so: Leuten wie Mac Pola würde man auf jeder Party aus dem Weg gehen …

 

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