Im Sinkflug hieß 2005 der Debütroman von Alexander Schimmelbusch. Erschienen beim Luftschacht Verlag in Wien und zu wenig beachtet. Rasant abwärts ging es darin für den Protagonisten, einen Finanzinvestor (übrigens arbeitete der 1975 geborene Autor lange als ein solcher in London), letztlich geht der ins Wasser – allerdings nicht aufgrund materieller Verarmung. Mit dem heutigen Wissen um den weltwirtschaftlichen Sinkflug, den diese Herren zu verantworten haben, lohnte sich definitiv eine erneute Lektüre.
Doch mit dem neuen Roman Blut im Wasser hat Schimmelbusch eine kürzere Variation des Themas vorgelegt. Diesmal mit einem weniger ökonomisch-ethischen Fokus. Seine Sprache ist entschlackter, klarer geworden. Die delirierenden wortgewaltigen Hasstiraden mit nur sehr gelegentlich entspannender Ironie sind gewichen, dafür bedient der Autor sich jetzt einer knappen und gewandten Präzision in der Beschreibung gut gemalter Bilder.
Blut im Wasser spielt im Upperclass-Milieu des Jahres 2010, und die Superreichen sind immer noch so gelangweilt, zynisch und unglücklich wie vergleichbare Protagonisten bei F. Scott Fitzgerald, Brad Easton Ellis oder Christian Kracht. Diesmal heißen sie Pia und Alex (sieh an, der heißt wie der Autor!), Jugendfreunde aus besseren Frankfurtvororten, offenbar durch Erbschaften jeglicher materieller Sorgen ledig. Alex vertreibt sich die Tage mit Weißweinsaufen (kistenweise), Blowjobs („Ihre Augen sind starr in mein mit Pflegespülung aromatisiertes Schamhaar gerichtet“) und dem Durchstreifen einer nicht unattraktiven Welt aus Restaurants, Luxuswohnhäusern, Flughäfen und Taxis. Ein arrogantes Superego mit Unsterblichkeitsfantasien: „Es setzte wieder Schneefall ein und die Stille wird allein durch den Klang der Glocke der Uhrentürme durchbrochen, die seit Jahrhunderten jede Stunde schlagen, irgendjemandem wohl, aber nicht mir, wie ich mir sage.“ Wem die Stunde aber alsbald schlagen wird, das ist Pia. Sie hat laut einer ärztlichen Diagnose nicht mehr lange zu leben und macht sich auf den Weg, ihren Jugendfreund zu besuchen.