Take me home (Oh, won´t you please take me home?)
Das, was Nick Caves Tod des Bunny Munro so besonders macht, sind der Humor und die Ästhetik der selbstverrlichenden systematischen Selbstzerstörung, wie sie in der Figur des Bunny Munro angelegt ist. In Bunny Munro vereinen sich die beißende Ironie und die absolute Absurdität unserer Zeit. Ein Mann, der Schönheitsartikel an Frauen verkauft und der zugleich der weiblichen Schönheit, abseits des Schambereichs, nicht uninteressiert, doch wahrhaft gleichgültig gegenübersteht. Ein Mann, der seine Frau tot am Schlafzimmerfenster hängen sieht und der zugleich darüber nachdenkt, wie geil ihre Brüste aussehen. Ein Mann, der schon vor seinem Tod gestorben ist und der zugleich an der Stelle, an der das Leben entspringt, am Lebendigsten ist. Ein Mann, der seinem Sohn die Welt erklärt:
„Man muss ihnen halt was bieten, von dem sie glauben, sie bräuchten es, weißt du, mehr als alles andere.“
„Und was ist das, Dad?“
„Hoffnung…einen Traum. Du musst ihnen einen Traum verkaufen.“
„Und was ist der Traum, Dad?“
Bunny Junior sieht, wie sein Vater seine Krawatte zurechtrückt und den Musterkoffer vom Rücksitz des Pluto nimmt. Er öffnet ihn, wirft einen kurzen Blick auf den Inhalt und klappt den Deckel wieder zu. Dann sieht er Bunny Junior an, zieht die Schultern zurück, öffnet die Autotür, richtet den Daumen auf seine Brust und sagt: „Ich.“
Es irrt, wer glaubt, Nick Cave hätte einen Roman über die Abscheulichkeit unserer Zeit geschrieben, die sich darin manifestiert, dass Menschen dämlich sind und nicht wissen, was sie fühlen sollen. Vielmehr erzählt Der Tod des Bunny Munro von einer überbordenden Sehnsucht nach Leben. Denn eben jene Sehnsucht nach Leben ist es, die den eigentlichen Triebdrang unserer Zeit charakterisiert, der sich nur durch die Ausblendung der Abscheulichkeit stetig regenerieren kann.
Wer Hoffnung will, sollte dieses Buch lesen. Denn wir alle sind Bunny Munro. Wir alle wissen, dass wir sterben werden.