Tanzender Abschaum der Erde
Es soll in dieser Rezension auch gar nicht so sehr um Bret Easton Ellis gehen. Es geht um Chuck Palahniuks jetzt endlich veröffentlichten Erstling Fratze, der jahrelang in einer Schublade herumlag. Palahniuks veröffentlichtes Debüt war Fight Club, mit dem Film kam der Erfolg, und von Palahniuk ein Buch nach dem anderen: Eines ist als Oral History geschrieben, wieder ein anderes als ineinander verzahnte Kurzgeschichten. Jedes seiner Bücher ist fortgeschrittener, weiter entfernt von dem knalligen, harten „Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Erde“-Ton, den Palahniuk in Fight Club anschlug. Von Fratze wusste niemand etwas.
Nicht, dass Palahniuk jemals subtiler wurde. Seine Gesellschaftskritik-Orgien mit Blut und Eingeweiden – und hier ist der eigentliche Vergleichspunkt mit Bret Easton Ellis, wenn man sie denn vergleichen will – wurden nur immer ausgefeilter.
Fratze ist, wenn man Palahniuks Werk verfolgt hat, als sähe man einen guten, alten Bekannten wieder, der gerade eine Geschlechtsoperation hinter sich hat. Es ist die Geschichte eines Models, die, neben diversen Familien- und Beziehungsproblemen, auch das Problem hat, dass ihr Gesicht weggeschossen und inoperabel beschädigt wird. Mit Hilfe ihrer Transgender-Freundin Brandy erfindet sie sich auf einem Road Trip durch die Vereinigten Staaten ein paar neue Identitäten.