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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:53

Chuck Palahniuk: Fratze

15.03.2010

Fight Club, transgender

Chuck Palahniuks Roman Fratze ist wie Fight Club – nur geschlechtsumgewandelt. Von JAN FISCHER

 

 

In diesen Momenten, kurz vor dem Einschlafen ertappt man sich bei der Frage, wie wohl ein Faustkampf zwischen Bret Easton Ellis und Chuck Palahniuk aussähe. Ellis würde tänzeln, ausweichen und von langer Hand einen wirklich schlimmen Kinnhaken vorbereiten, während Palahniuks harte, kurze Schläge ununterbrochen auf ihn einknallen.

 

Das ist erstmal gar nicht so weit hergeholt, wie es klingt: Es gibt die Facebook-Gruppe „Bret Easton Ellis is superior to Chuck Palahniuk in every way imaginable“, und es gibt die Gruppe „Chuck Palahniuk is superior to Bret Easton Ellis in every way imaginable“.

 

Dann ist es natürlich wieder unglaublich weit hergeholt: Man respektiere sich, gibt Palahniuks Website Auskunft, und bewundere sich gegenseitig als Autoren usw., usf.: Autoren sollte man nun einmal nicht mit ihrem Ich-Erzähler verwechseln.

 

Tanzender Abschaum der Erde

Es soll in dieser Rezension auch gar nicht so sehr um Bret Easton Ellis gehen. Es geht um Chuck Palahniuks jetzt endlich veröffentlichten Erstling Fratze, der jahrelang in einer Schublade herumlag. Palahniuks veröffentlichtes Debüt war Fight Club, mit dem Film kam der Erfolg, und von Palahniuk ein Buch nach dem anderen: Eines ist als Oral History geschrieben, wieder ein anderes als ineinander verzahnte Kurzgeschichten. Jedes seiner Bücher ist fortgeschrittener, weiter entfernt von dem knalligen, harten „Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Erde“-Ton, den Palahniuk in Fight Club anschlug. Von Fratze wusste niemand etwas.

 

Nicht, dass Palahniuk jemals subtiler wurde. Seine Gesellschaftskritik-Orgien mit Blut und Eingeweiden – und hier ist der eigentliche Vergleichspunkt mit Bret Easton Ellis, wenn man sie denn vergleichen will – wurden nur immer ausgefeilter.

 

Fratze ist, wenn man Palahniuks Werk verfolgt hat, als sähe man einen guten, alten Bekannten wieder, der gerade eine Geschlechtsoperation hinter sich hat. Es ist die Geschichte eines Models, die, neben diversen Familien- und Beziehungsproblemen, auch das Problem hat, dass ihr Gesicht weggeschossen und inoperabel beschädigt wird. Mit Hilfe ihrer Transgender-Freundin Brandy erfindet sie sich auf einem Road Trip durch die Vereinigten Staaten ein paar neue Identitäten.

 

Neuerfindung jenseits der Schönheitsideale

Im Prinzip ist es die Fight Club-Geschichte: Die Geschichte eines Menschen, der in seinem gesellschaftlichen Kontext nicht mehr funktionieren kann und will und nun sehen muss, wo er bleibt, das Spiel mit Identitäten inklusive. Während es aber in Fight Club um einen Mann ging, der sein Leben als fleißige Büroarbeiterdrohne hinschmeißt, geht es in Fratze um eine Frau, die gezwungen ist, sich jenseits der Schönheitsideale, die ihr Leben bisher ausgemacht haben, neu zu erfinden.

 

Stilistisch ist Fratze seinem Vorgänger/Nachfolger Fight Club nicht nur ähnlich, sondern die beiden sind sich genau gleich: Dieser exzessive Einsatz der zweiten Person Singular, die immer wiederkehrenden Motivsätze, alles ist da und fühlt sich an wie Nachausekommen. Fratze ist so etwas wie ein Retro-Palahniuk, neu genug, um neu zu sein, alt genug für ein warmes, wohliges Gefühl im Bauch, zumindest solange, bis Palahniuk seine ersten, harten Schläge in die Magengrube austeilt. Aber das ist es ja auch, weshalb man ihn liest.

 

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Das ist die ganze Info, die man als Nichtwissender über DIE FRATZE bekommt? "Is wie FIGHT CLUB mit Frauen" und das war es? Mann, als Nicht-Nerd hat man echt verloren hier (in jedem anderen Forum, in dem es um DIE FRATZE geht, ebenfalls). Ich mein, ich bin mir schon sicher, dass mir der Film gefallen wird, P´s Stil is ne Klasse für sich, hab FIGHT CLUB gelesen und fand es besser als die Verfilmung (besonders den Schluss)aber ein bisschen Info wäre doch nicht zu viel verlangt, oder? Das liest sich so, als ob einer das Review zum neuen Star Trek-Film auf Klingonisch schreibt! Hallo??????????????????
| von Alex Boehm, 23.11.2010

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