Kleine Schweinereien
Dort residiert Vater Jakob, ein überraschend viriler, jugendlicher, blendend aussehender Mittsechziger. Jakob führt ein laxes, leicht anrüchiges Leben im Unruhestand, nachdem er Jahrzehnte auf den Vorstandsetagen in Wolfsburg und Untertürkheim und auf den Podien von Radio und Fernsehen zugebracht hat. Schwarz gelockt und gut gebaut, wie er immer noch ist, scheinen ihn die Frauen nur so zu umschwirren. Als Philip sacht gegen die dauernden Trinkgelage und amourösen Abenteuer aufbegehrt, wird er vom Vater harsch zurechtgewiesen: „Lass Du Dich erst mal entjungfern!“
Dabei scheint auch Jakobs Zeit als Alt-68er-Kommunarde verdammt lang her zu sein. Während seine Noch-immer-Ehefrau Iris vermutlich mal wieder durch Osteuropa tingelt, ist die Bodenseevilla mit den Produkten ihrer vergangenen Kreativphasen zugemüllt: verstaubte Tiffany-Lampen, obskure Metall-Installationen und selbst geschneiderte Flickenjacken. Das stört die Dauerfreunde, mit denen Jakob in einer Art Ménage à trois verbunden ist, nicht im Geringsten. Dottore, der südländisch angehauchte Architekt, brutzelt mit Vorliebe als „kleine Schweinereien“ titulierte Lammhoden, die dunkelhäutige Alma stiefelt lasziv in Lederjacke und Bustier durchs Haus und Trinkkumpanin Karen liefert zuverlässig alkoholischen Nachschub.