Beglückende Prosa
Die vier Geschwister sind altersmäßig alle locker um die dreißig herumgruppiert und – sie lieben sich wie Brüder und Schwestern. Sind sich beste Freunde. Freilich, die eine kann mehr mit der als mit dem, der andere mehr mit dem als mit der.
Simon hat mit Carine zwei Kinder und ist glücklich, Lola hat zwei Kinder, ist geschieden und unglücklich, Vincent werkelt vor sich hin, Garance wirkt orientierungslos, punktet aber als Erzählerin. Unterschiedliche Lebensentwürfe haben sie allmählich voneinander getrennt.
Nach einer Nacht auf dem Schloss von Vincent bricht ein neuer Tag an: Es ist der „geschenkte Tag, ein gnädiger Moment“. Ein aufregender und einmaliger Tag. „Denn so ist es doch. Die Zeit trennt diejenigen, die sich lieben, und nichts ist von Dauer.“ Ja, klar, wissen wir, aber egal. Die vier liegen im Gras, trinken Wein, die Sonne scheint, es wird herumgealbert, der Alltag ist weit. Zu schön, um wahr zu sein. Das sind beglückende, schwerelose Passagen, mit denen Gavalda, ohne viele Worte zu machen, eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Dennoch: Der Tag ist heiter und traurig zugleich, weil er Abschied bedeutet: von der Kindheit, dem liebevollen Beieinandersein, einer „universellen Harmonie“.
Die Rückfahrt ist Musik, im Auto läuft ein Liedermix zusammengestellt von Vincent, der endet mit Jeff Buckleys Hallelujah. Au revoir nostalgie! Es lebe der Sommer.