Es geschah am helllichten Tag
Mit dem Fahrradunfall purzeln wir unversehens hinein in den Mikrokosmos eines abgegrenzten Areals zwischen den Neubaublöcken einer süddeutschen Stadt. Eine Handvoll Grundschulkinder tobt durch den Hof: die dralle Schicke Sybille mit ihrer kleinen Schwester, die Witzigen Zwillinge mit ihrem Älteren Bruder, der Ami-Michi, der Wolfskopf und der Schniefer. Vor ihnen liegen die Ferien, eine schier endlos erscheinende Abfolge von verheißungsvollen Sonnen- und seltenen Regentagen. Eine herrlich bedeutungsfreie Zeit, die es zu füllen gilt mit Kartenspielen und Sammelalben, mit Entdeckungen und Exkursionen. Selten werden Kindheitserinnerungen so allgegenwärtig, allgemeingültig und allmächtig heraufbeschworen wie durch Georg Klein, ganz gleich, ob man selbst in den 60er-Jahren oder zu einer anderen Zeit aufgewachsen ist.
Doch nicht allein dieses archetypische Gefühl macht die Sogwirkung des Romans aus, es ist vielmehr das erahnte, heraufdräuende Unglück, ein vage vermutetes Mysterium, ein kreiselndes, sich immer tiefer grabendes Geheimnis. Das fühlt sich an, wie die Süddeutsche Zeitung treffend bemerkt, „als hätte ein David Lynch den Fünfziger-Jahre-Film Es geschah am helllichten Tag neu gedreht“.