In naher Zukunft wollen Männer keinen Sex mehr mit Frauen, weil sie Silikonpuppen haben, die sich anfühlen wie Frauen und nie reden. Sie laufen nicht weg und verlangen nicht, dass die Männer den Müll wegbringen, da ist die Puppe der Frau vorzuziehen. Soweit, so nachvollziehbar. Regierungsmenschen fürchten nun, die Menschheit könnte aussterben, weil die Puppen keine Kinder bekommen können. Hier kommt der neue James Bond ins Spiel, der gemeinsam mit seiner bezaubernden Assistentin Lora dem Puppenmacher das Handwerk legen soll.
Unser Held, Kolther genannt, ist aber kein smarter Anzugträger, er ist selbst von einer Scheidung enttäuscht, durch die Puppenansichten frei von Libido, zynisch und versoffen. Lora hingegen eine „password sniffin‘ bitch“, eine von überdurchschnittlicher Intelligenz und Intuition gleichsam gebeutelte attraktive und junge Wissenschaftlerin. Sie, mit silbernem Gecko auf dem Bauchnabel, versucht Kolther zu bekehren oder zumindest zu betören. Die Geschichte könnte von ihrer Anlage her gut oder schlecht sein, zunächst liegt hier nichts außergewöhnlich Neues begraben. Es käme daher darauf an, was der Autor daraus gemacht hat, und bei Thor Kunkel kann man davon ausgehen, dass er kreativ, detailreich und wortgewandt einen umwerfenden Roman geschrieben hat.
Kunkel schäumt vor Ideen, Gesellschaftsdiagnostik und Weltverzweifelung oder legt dies wenigstens seinem Helden in den Mund, die schaumigen Schwestern erzeugen Abscheu und Faszination zugleich, zumal der Puppenmacher als Alter Ego des Helden angelegt ist. All das ist im Kern nicht schlecht konstruiert.