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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 11:59

Paul Torday: Charlie Summers

28.06.2010

Eine Spur von Schulden

THOMAS SCHAEFER stellt Ihnen einen schelmischen Finanzkrisenroman vor, dem ein wenig die Sorgfalt fehlt.

 

Sage noch einer, die gute alte schöngeistige Literatur hinke den aktuellen Haupt- und Staatsaktionen hoffnungslos hinterher: Die 2008 ausgebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise hat binnen Kurzem so viele belletristische Aufarbeitungsromane provoziert, dass man schon fast von einem neuen Genre der Finanzkrisenliteratur reden möchte!

Geschwindigkeit ist also keine Hexerei, freilich auch keine Voraussetzung für Qualität; manchem flott auf den Markt geschickten Buch merkt man die heiße Nadel an, mit dem es gestrickt wurde; Kristof Magnussons Roman Das war ich nicht etwa wurde in diesem Frühjahr zwar viel, aber überwiegend kritisch besprochen. Und auch Paul Tordays Charlie Summers hätte es – um das Urteil vorwegzunehmen – nicht geschadet, wenn sich der Autor mehr Zeit gegönnt hätte.

 

Nicht unerheblicher Charme

Der 1946 geborene Torday wurde bekannt mit versierten, auf sehr englische Weise brillierenden Unterhaltungsromanen, angefangen mit seinem späten Debüt Lachsfischen im Jemen. Und auch der in diesem Jahr zeitgleich in Großbritannien und hierzulande erschienene Charlie Summers ist nicht frei von entsprechenden Eigenschaften: vor allem einem Gutteil britischen Humors, der sich gern an der Verspottung der alten Oberschicht entzündet, in der sich der Oxford-Absolvent Torday bestens auszukennen scheint. Andere Milieus geraten bei ehrenwertester satirischer Absicht eher zur vorhersehbaren Karikatur. Zwar mag die Wirklichkeit, zumal der Broker-Szene, durchaus bizarr sein, so platt wie in Charlie Summers wollen wir sie uns aber nicht vorstellen. Womit wir beim Thema wären.

 

Hector Chetwode-Talbot, genannt Eck, ist der eigentliche „Held“ des Romans. Er war Offizier der britischen Army und hat sich als solcher bei einem Kampfeinsatz in Afghanistan die Hände auf eine völkerrechtswidrige Weise schmutzig gemacht, die einer beruflichen Karriere hinderlich sein könnte, käme nicht Ecks alter Bekannter Bilbo Mountwilliam, ein erfolgreicher Hedgefonds-Händler, mit einem traumhaften Job-Angebot: Eck soll seine zahlreichen Kontakte und seinen nicht unerheblichen Charme gegen exorbitante Bezahlung nutzen, um Bilbo neue Kunden zuzuführen, indem er bei geselligen Anlässen für dessen Anlagenmodelle Werbung macht und so Menschen zum arglosen Investieren verführt, „die über einen immensen Cashflow“ verfügen. Vom Business selbst muss er dabei nichts verstehen, wobei wir rasch begreifen, dass auch Profis wie Bilbo keine Ahnung von dem haben, was sie renditegeilen Mittelständlern und Oberschichtlern aufschwatzen: jede Menge „Differenzkontrakte, termingebundene Kauf- oder Verkaufsoptionen, Swapgeschäfte“ ...

 

Unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft

 

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