Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 16:59

David Nicholls: Zwei an einem Tag

12.07.2010

Was wäre wenn ...?

Der Roman besticht auf den ersten Blick durch die Idee, dass es da zwei gibt, die voneinander angezogen sind, sich jährlich wieder treffen und doch nie zueinander finden. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

 

Nicholls im Dreischritt zwei gegenläufige Biografien: Aufstieg, Fall, Ausgleich und Fall, Aufstieg, Ausgleich. In der Nacht nach ihrem Schulabschluss landen die spröde, den linksalternativen Dogmatismen ihrer Jugendzeit verhaftete Emma Morley und Dexter Mayhew, Sunnyboy aus reichem Elternhaus, gemeinsam im Bett. Aus unerfindlichen Gründen fühlen sie sich voneinander angezogen und aus schnell ersichtlichen Gründen können sie nicht zueinander finden, weil der extrem gut aussehende Dexter mit mannigfachen Liebeleien um die Welt zieht.

 

Während Emma mit einem grandiosen Abschluss glänzt, muss sie zunächst in einem Imbiss und später als Lehrerin in einer Schule arbeiten (Fall), bevor sie als Schriftstellerin Erfolg hat (Aufstieg) und dann ihre Weltverbesserungsdogmen ablegen kann (Ausgleich). Dexter dagegen macht Karriere als Fernsehmoderator, stürzt mit Drogen und Suff ab, zeugt schließlich ein Kind und eröffnet ein Straßencafé mit Feinkostabteilung.

Ob Nicholls' Roman damit schon als Entwicklungsroman bezeichnet werden darf, bleibt offen. Zu fragmentarisch und zugleich zu absehbar bleibt die Entwicklung der beiden Figuren durch die Jahre. Genauso absehbar wie ihre Vereinigung am Ende - allen Widerstände zum Trotz.

 

Verloren im Klischee

Die Anziehungskraft zwischen Dexter und Emma wird nie erklärt. Vielmehr legt die Introspektive der beiden Figuren zu Beginn des Buchs sogar nahe, dass sie nichts verbindet. Aber die Anziehung ist da - wie eine Prämisse. Und erst wenn man diese Prämisse akzeptiert, kann man sich auf das Buch auch einlassen.

 

Nicholls Sprache verzichtet auf jegliche Sperrigkeiten, Tiefe oder Extravaganz. An einigen Stellen des Romans kommt die Stimme des Autors jedoch zu deutlich durch. Meist dann, wenn der oberflächlichen, konsumistischen Gesellschaft der moralische Spiegel vorgehalten wird. Gewiss, die Figuren reden und handeln, aber es ist die Stimme und die Moral des Autors.

 

Insgesamt haftet dem Roman ein wenig der Ruch einer unterhaltsamen Mogelpackung an. Und genau das ist Zwei an einem Tag auch: Packende und gut geschriebene Unterhaltungsliteratur, die mehr sein könnte, es aber schlicht nicht ist.

 

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Sorry wegen dem Auge

Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT ...

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...