Ralf König: Der dicke König Hugo Cabret (USA 2011) - jetzt im Kino! Zum Tod der Literatur-Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska Stefan Lüddemann: Blockbuster - Besichtigung eines Ausstellungsformats Kernnzeichen T - 27.01.2012 von Michael Ebmeyer
Donnerstag, 09. Februar 2012 | 13:00

David Nicholls: Zwei an einem Tag

12.07.2010

Was wäre wenn ...?

Der Roman besticht auf den ersten Blick durch die Idee, dass es da zwei gibt, die voneinander angezogen sind, sich jährlich wieder treffen und doch nie zueinander finden. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

 

Nicholls im Dreischritt zwei gegenläufige Biografien: Aufstieg, Fall, Ausgleich und Fall, Aufstieg, Ausgleich. In der Nacht nach ihrem Schulabschluss landen die spröde, den linksalternativen Dogmatismen ihrer Jugendzeit verhaftete Emma Morley und Dexter Mayhew, Sunnyboy aus reichem Elternhaus, gemeinsam im Bett. Aus unerfindlichen Gründen fühlen sie sich voneinander angezogen und aus schnell ersichtlichen Gründen können sie nicht zueinander finden, weil der extrem gut aussehende Dexter mit mannigfachen Liebeleien um die Welt zieht.

 

Während Emma mit einem grandiosen Abschluss glänzt, muss sie zunächst in einem Imbiss und später als Lehrerin in einer Schule arbeiten (Fall), bevor sie als Schriftstellerin Erfolg hat (Aufstieg) und dann ihre Weltverbesserungsdogmen ablegen kann (Ausgleich). Dexter dagegen macht Karriere als Fernsehmoderator, stürzt mit Drogen und Suff ab, zeugt schließlich ein Kind und eröffnet ein Straßencafé mit Feinkostabteilung.

Ob Nicholls' Roman damit schon als Entwicklungsroman bezeichnet werden darf, bleibt offen. Zu fragmentarisch und zugleich zu absehbar bleibt die Entwicklung der beiden Figuren durch die Jahre. Genauso absehbar wie ihre Vereinigung am Ende - allen Widerstände zum Trotz.

 

Verloren im Klischee

Die Anziehungskraft zwischen Dexter und Emma wird nie erklärt. Vielmehr legt die Introspektive der beiden Figuren zu Beginn des Buchs sogar nahe, dass sie nichts verbindet. Aber die Anziehung ist da - wie eine Prämisse. Und erst wenn man diese Prämisse akzeptiert, kann man sich auf das Buch auch einlassen.

 

Nicholls Sprache verzichtet auf jegliche Sperrigkeiten, Tiefe oder Extravaganz. An einigen Stellen des Romans kommt die Stimme des Autors jedoch zu deutlich durch. Meist dann, wenn der oberflächlichen, konsumistischen Gesellschaft der moralische Spiegel vorgehalten wird. Gewiss, die Figuren reden und handeln, aber es ist die Stimme und die Moral des Autors.

 

Insgesamt haftet dem Roman ein wenig der Ruch einer unterhaltsamen Mogelpackung an. Und genau das ist Zwei an einem Tag auch: Packende und gut geschriebene Unterhaltungsliteratur, die mehr sein könnte, es aber schlicht nicht ist.

 

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Kafka und Komik?

Beim Namen Franz Kafka denken die meisten an Beklemmendes wie Der Prozess oder Das Schloss, an Unheimliches wie Ein Bericht für eine Akademie oder In der ...

Wenige von der Sorte

Die Doppel-CD von Trikont gibt mit der Auswahl an Gedichten, Romanauszügen, Kurzgeschichten, Briefen und einem bilderreichen informativen Booklet einen guten Einblick – für ...

Nachhaltig wortgewaltig

Ich bin es gewohnt, in regelmäßigen Abständen verständnislos angeschaut zu werden – in der Tat dürfte ich wahrscheinlich deutschlandweit einer der wenigen ...

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT ...

Fremd bin ich eingezogen

Der Nürnberger Autor Leonhard F. Seidl bezeichnet seinen Debütroman Mutterkorn als »Geschichte einer Befreiung«. Eine Bestandsaufnahme von HUBERT ...

Ein Jahr lang Frühling

Der arabische Raum war in den vergangenen Monaten in den deutschen Medien so präsent wie selten zuvor. Fast unvermeidlich, dass sich die Veränderungen dort nach angemessener Frist auch in ...

Schweizerinnen auf dem Vormarsch?!?

Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie an starke Schweizer Frauen denken? Wenigstens irgendeine Frau? Frau? Fühlen Sie sich nicht zu schlecht, wenn Ihnen zu dem Land, in dem die Frauen erst 1971 ...

Harder.
Faster.
Louder!

Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy ...

Movie Mystery Theater 1931

»Kino ist ein besonderer Ort, an den wir gehen können, um etwas zu sehen.« So erklärt Hugo Cabret sein zentrales Motiv. Die Worte, die mit ...