Wenn schon, warum dann nicht gleich Fotoroman, Roman?
Nicht, dass mich Kopulation in einem Buch grundsätzlich stören würde, aber ab einer gewissen Frequenz ist das kein autobiographisches Erzählen mehr, sondern nur noch peinlich. Vor allem, wenn es in dieser Sprache daherkommt:
Schwangere Frauen haben mich schon immer geil gemacht, weil man ihnen eindeutig ansehen kann, dass sie anständig gevögelt worden sind.
Auch schön:
Diese himmlische Kreatur brachte mich so durcheinander, dass ich keinen hochkriegte. Bestimmt hatte sie schon begonnen, an meiner Orientierung oder an meinen Fähigkeiten zu zweifeln. Wir hatten bereits alle Techniken ausprobiert, für die es keiner Erektion bedurfte. Ich wusste, das ich, um wenigstens die kläglichen Reste meiner Glaubwürdigkeit zu erhalten, sie so bald wie möglich anständig durchzuficken hatte, noch aber war ich viel zu bezaubert, um mich entspannen zu können.
Natürlich geht es nicht hauptsächlich nur um Sex in diesem Buch. Es geht auch um Schatz´ Lebensweisheiten (z.B. „Vegetarier fressen Pflanzen, Humanisten Menschen.“), darüber hinaus gibt er rechtsradikalen Finnen eine Geschichtsstunde, indem er ihnen zeigt, mit welcher Hand der Hitlergruß auszuführen ist, und er hat eine kleine Orgie mit seinem Bruder, seinem Vater und ein paar Prostituierten. Ups – sorry! Offensichtlich geht es in dem Buch natürlich doch hauptsächlich um Sex …
Gerne hätte ich auch etwas Nettes über dieses Buch geschrieben, wie z.B. „Dieses Buch ist auf chlorfrei gebleichtem Recyclingpapier gedruckt worden.“, aber leider geht nicht mal das. Die vielleicht größte Überraschung bei Der König von Helsinki ist die Rezensionszeile auf dem Cover: „Schräge Biografie, Reiseführer und gut beobachtete Landeskunde in einem.“ Diese Worte hat ein Kollege oder eine Kollegin von Spiegel spezial geschrieben. Falls er oder sie diese meine Kritik hier liest, möge er oder sie sich doch bitte mal bei mir melden – wir haben zu reden.

