Die Liste der Niederlagen
Er bezieht eine einfache Unterkunft bei Perlassis Mitarbeiter und begegnet diesem zunächst distanziert und unaufrichtig. Doch wie so manches misslingt ihm auch sein Versuch, zum unangenehmen Zeitgenossen zu mutieren. Anhand von Rückblenden in Araoz´ Vergangenheit und mittels der Dialoge mit dem vermeintlichen Angestellten Perlassis erfahren wir als Leser mehr und mehr über den Suchenden, dessen Angewohnheit, eine Liste seiner Niederlagen zu führen, nur einer von vielen Ticks ist. Der Fußball im Allgemeinen und eine lange zurückliegende Spielsituation im Speziellen hatten anscheinend großen Einfluss auf sein Leben. Nach und nach kommt er den Ursachen der ihn so prägenden Ereignisse näher. Gleichzeitig beginnt er langsam, sich seiner Lebensrealität zu stellen und sich mit den Verletzungen der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Sacheri, dessen Fußball-Buch „Die Hand Gottes und andere Tangos“ bereits in höchsten Tönen gelobt wurde, mutiert für Kritiker schon zum „Maradona der Literatur.“ Die Hand Gottes braucht er dabei freilich nicht, verfügt er doch über einen ausgezeichneten Stil und die Gabe, einen ruhigen, weitgehend unspektakulären Plot wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. „Warten auf Perlassi“ ist ein kluges Buch, dessen Genuss beileibe keine Affinität zum Fußball voraussetzt. Ist der Fußball doch nur ein mögliches Modell, die Realität des Lebens begreiflich zu machen. Auf die Liste meiner „Niederlagen“ schreib ich nun, das Debut dieses Autors nicht gelesen zu haben. Und dann gilt das Motto: „Warten auf Sacheri.“ Mehr davon!

