Ein Dompteur von Leoparden und Mauleseln
Attraktiv für sich selbst, attraktiv für andere – so führt ihn sein erster Weg in das Fitness- und Kampfsportstudio Niekisch, ein Zentrum für Realistische Selbstverteidigung, wo er umgehend auf die titelgebende Nancy trifft, die ihn nicht nur mit ihrer Theorie, seine gesamten Ängste seien in der Stellung seines Beckens begründet, sondern auch mit ihrer hervorblitzenden Leoparden-Unterwäsche und ihrer Vorliebe für Burleske konfrontiert.
Eine interessante Konstellation, aus der man richtig was hätte machen können, aber Stefan Schwarz schlägt alle Möglichkeiten in den Wind und bleibt, anstatt seine Leserschaft (und vielleicht auch sich selbst) zu überraschen, in seinem kolumnenerprobten Fahr- und Sprachwasser.
Dass sämtliche Charaktere (von der Gleichstellungsbeauftragten über den Chef bis hin zu den Besuchern des Fitness-Studios) klischeemäßig überladen sind wie ein Maulesel zur Hauptsaison und dadurch unglaubwürdig werden, geht mit Magenschmerzen noch durch. Viel schlimmer und störender ist, dass Schwarz an vielen Stellen in eine Sprache verfällt, die auf Biegen und Brechen und auf Teufel komm raus lustig wirken will, dann aber nur albern bleibt. Essen wird da „backenprall gemümmelt", im Kindergarten reicht man die „moppelige Kita-Erzieherinnen-Hand" und so geht es weiter – lauter Dinge, über die eigentlich nur Menschen lachen, die sogar in Oliver Pocher den echten Gecken erkennen. Manchmal ist weniger deutlich mehr, auch einem Lektor dürfte so was ruhig auffallen. Dabei gibt es viele sehr schöne Sätze, in denen ein ganz anderes Potential zu erkennen ist, aber leider sieht es Schwarz als seine Pflicht an, jeden schönen Satz mit einem Späßchen zu brechen, und so dauert es nicht lange, bis wieder „Lungenflügel patschen" und „Herzen kobolzen".
Hüftkreisen mit Nancy ist ein mittelschwerer Rohrkrepierer, eine vergeudete Chance, geschuldet dem Versuch, eine aufs Detail pointierte Monatskolumne auf Romanlänge zu bringen. So verbleibt das Buch auf dem vorhersehbaren, harmlosen Niveau eines Tommy Jaud – ein Umstand, der wahrscheinlich für gute Verkaufszahlen sorgen wird.

