1954 in Rostock als Peter Runkel geboren, trägt der Autor des Buches “Rabenliebe” den Namen seiner “Adoptionseltern”. So distanziert nennt er das Adoptiveltern-& lehrerpaar, das erst ihn und später dann seine jüngere Schwester an Kindesstatt angenommen hatte, nachdem beide ihre frühe Kindheit zuvor in Waisenheimen verbracht hatten. Die Geschwister, kaum dass sie auf der Welt waren, wurden von ihrer Mutter, als sie in den Westen abhaute, als hilflose “Fleischpakete” sich selbst - also Hunger & Kot & Alleinsein - überlassen; hätten die Nachbarn sie nicht gerettet, so wären die beiden wohl auch so elendig verreckt, wie so viele Kleinkinder & Babys heute, oft in der Ex-DDR, von denen wir fast monatlich in den “Vermischten Nachrichten” lesen.
Peter Wawerzinek hat die Schreckensmeldungen verhungerter, verdursteter oder auch noch dazu körperlich misshandelter und getöteten Kinder der letzten Jahre wie Materln dem Passionsweg seiner Lebensgeschichte eingefügt. Denn sie ist die autobiographische Grundlage seines zweiteiligen, 420seitigen Buches (“Die Mutterfindung“, “Da bist Du ja“) .
Neben den schockierenden Zeitungsmeldungen hat der Schriftsteller, der mehrere Jahre an “Rabenliebe” gearbeitet hat, aber schon seit 1988 als Autor, Regisseur & Sänger hervorgetreten war, weitere Zitate aufgenommen. Es sind Auszüge aus dem DDR-Adoptionsrecht oder auch literarische Memorials, u.a. von Büchner, Pessoa oder Max Frisch. Sie stehen, in anderer Schrift abgesetzt, meist mit Bezug auf das jeweils gerade von ihm Angesprochene, zwischen der Vielzahl der von Kapitälchen annoncierten erzählerischen oder essayistischen Texte, die wiederum häufig in die lyrischen, gereimten Zeugnisse der deutschen (Volks-)Poesie zu Kind & Mutter übergehen - wie ja Döblin in seinem “Berlin Alexanderplatz” schon Bibelzitate und Tonfälle integriert hatte. Als Peter Wawerzinek den Anfang seiner “Rabenliebe” Anfang in diesem Frühjahr in Klagenfurt vortrug, waren sich Kritiker wie Publikum in seltener Einmütigkeit sicher, einem Autor zugehört zu haben, dem ein großer literarischer Wurf gelungen ist.