Gespenster
Es spukt in Adolf Muschgs neuem Roman. Von Gespenstern erzählt er: Von flüchtigen wie den Achtundsechzigern, die einiges angerichtet, aber wenig ausgerichtet haben, von beharrlicheren wie dem Chef der Schweizerischen Volkspartei Christoph Blocher, der in der Schweiz umgeht und im Buch Moritz Schieß heißt. Von Johann Philipp Freiherr von Hohensax, einem Humanisten, der einmal den Codex Manesse besessen hat und 1596 durch eine Kopfwunde starb, und Caspar Horner, einem Astronomen aus der Zeit der Romantik. Es spukt, es klopft und schnalzt, Tische werden verrückt, Karrieren werden gemacht.
Im Mittelpunkt dieses ausufernden Romans stehen drei Anwälte: Bankierssohn Jacques Schinz, Moritz Asser und Hubert Achermann. Und das Haus „Zum (!) eisernen Zeit“, in dem die Uhren nicht funktionieren. 1970 bekommen die drei Linken die obere Etage des Bürgerhauses zur Verfügung gestellt, damit sie dem Spuk, der schon die Frau des Besitzers vertrieben hat, ein Ende zu bereiten. Und sie haben Erfolg, finanziell und bei den Frauen. Und bei den Geistern, die sich ihrer bemächtigen: die Geister der Vergangenheit(en). Vor allem Hubert hat als ehemaliger Mönch und Theologe immer noch ein Ohr für sie. Sitzt manchmal stundenlang in Horners nicht fertiggestellten Sternwarte, einem Raum, der innen größer ist als von außen möglich scheint, und meditiert über Glück und die Unendlichkeit, über die „Grenze zwischen Innen und Außen“.