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Freitag, 25. Mai 2012 | 17:09

Nagel: Was kostet die Welt

24.01.2011

Ein tragisch komisches »Heimatbuch«

Ehemaliger Punkrock-Sänger schickt uns in die Stilhölle der deutschen Provinz. Im neuen Roman von Nagel: Was kostet die Welt. Von TOM ASAM

 

In seinem Debutroman Wo die wilden Maden graben schilderte Thorsten Nagelschmidt aka Nagel , langjähriger Sänger der mittlerweile liquidierten Band Muff Potter, deutlich durch eigenes Erleben gespeist, den Alltag des Tourlebens.

 

Doch muss man nicht unbedingt Rockmusiker sein, um zwischen verschiedenen Welten zu driften und nicht recht zu wissen, wo es langgeht. Meise, Protagonist in Was kostet die Welt, ist eigentlich ein Slackertyp aus der Metropole Berlin, der in den Tag hinein lebt. Nach dem Ableben seines Vaters erbt er eine ganz ordentliche Summe und ist sich sicher: keine Anschaffungen! Die Kohle soll komplett für Reisen verprasst werden. Also macht er sich erstmal auf nach Übersee, um den Horizont zu erweitern. Zurück in der Heimat ist er zwar um einige Anekdoten reicher, was so etwas wie einen Lebensentwurf anbelangt, allerdings nicht weiter. Ein Reise-Liebesabenteuer kann und will er –  trotz deutlicher Signale seitens der Frau – nicht zu einer Beziehung ausbauen. Um die restlichen Scheinchen zu verpulvern, folgt Meise der Einladung einer Reisebekanntschaft in die Provinz der Moselregion.

 

Nuancierte Wahrnehmung des vermeintlich Andersartigen

Nagel merkt, dass die Wahrnehmung des vermeintlich Andersartigen im eigenen Sprachraum wesentlich nuancierter möglich ist – und der Wahnsinn der deutschen Provinz jenem ferner Länder in nichts nachsteht. Er landet in der in der ihm fremden Idylle einer traditionsreichen Weinfamilie. Die folgenden Betrachtungen typischer Paar- und Familienstrukturen mit all ihren Gewohnheiten und Belanglosigkeiten ist ziemlich gnadenlos. Floskeln und stilistische Fehltritte der Provinzbewohner werden oft treffend, teils aber enervierend ausführlich seziert. Doch natürlich ist auch der irgendwie entwurzelt wirkende Großstadtzyniker letztlich nicht besser dran.

 

Dieses tragische wie komische »Heimatbuch« eignet sich vorzüglich für die nächste längere Bahnfahrt. Packen Sie aber besser ein zweites Bändchen mit ein, die Bahn bleibt ja gerne mal unplanmäßig im Niemandsland der deutschen Provinz stecken, und da wollen Sie nicht aussteigen!


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