Trauer to go
Als wenig später auch noch Jakovs Ehefrau Thea verstirbt – eine zielstrebige, energische Architektin – ist das Schlamassel perfekt. Tochter Adriana, Regisseurin am Berliner Maxim-Gorki-Theater, wird mitten aus den Proben für das Stück Trauer to go herausgerissen, um ihre Mutter zu beerdigen und den elterlichen Hausstand aufzulösen. Angesichts der schieren Menge an Möbel, Dokumenten und Erinnerungsstücken, streicht sie verzweifelt die Segel. »Statt Geschichtsunterricht sollte man Wohnungsauflösungen als Pflichtfach einführen«.
Entlang der aufgefundenen Briefe, Fotos und Zeugnisse zeichnet Adriana ein ausladendes, kurioses Sittenbild ihrer weit verzweigten, „strapaziösen Familie” in den zeitgeschichtlichen Wirren des 20.Jahrhunderts. Und manche Familiengeheimnisse werden nicht erst jetzt aufgedeckt: die mutige Partisanen-Vergangenheit der Eltern, die Flucht über Italien nach Deutschland, das beharrliche Emporkämpfen im Wirtschaftswunder-Deutschland, Adrianas Aufenthalt in einem Waldorf-Internat (»wenn ich irgendwo punkten will, muss ich nur beiläufig erwähnen, dass ich 12 Jahre im Internat verbracht habe«), die verzwickten Verwandtschaftsverhältnisse und nicht zuletzt die komplizierten jüdischen Riten und Gebräuche, denen sich die Familie Altaras doch immer wieder geschickt und mit Witz entzieht.