Wenn man wissen will, wo die Comic-Figur Emily the Strange herkommt, muss man einen genaueren Blick auf die Biografie ihres Erfinders und geistigen Vaters Rob Reger werfen. Dieser wurde 1969 in einem konservativen Vorort von Los Angeles geboren, wo er auch aufwuchs. Erst als er mit dem Schulabschluss in der Tasche weiter in den Süden nach Santa Cruz ging, erfuhr er, wie befreiend Offenheit und Toleranz sein können. Was Reger durch einen Umzug erreichte, erkämpft sich seine Figur Emily. In ihrer konsequenten Anti-Haltung gegenüber der als spießig zu verstehenden Normalität liegt ihre individuelle Freiheit begründet. Die tolerante Offenheit von Santa Cruz kritisiert die konservative Vorstandenge von Los Angeles.
Emilys zweites deutschsprachiges Romanabenteuer beginnt mit dem Umzug in die Stadt Silifordville und dem Verlangen, dieser Stadt einen Masterstreich zu spielen. Bei den Vorbereitungen dazu verdoppelt sie sich versehentlich selbst. Während Emily und ihre Kopie – Emily nennt sie »AnderesIch« – zunächst gemeinsam ein unschlagbares Duo bilden, kühlt sich die Zuneigung füreinander schnell ab – zwei Köpfe sind, in diesem Fall, eben doch nicht besser als einer. Aus »AnderesIch« wird »VerderbtesIch« und schließlich »TeufelIch«.
Zwar geht der zuvor gemeinsam entworfene Masterstreich voll auf, doch sein Erfolg ist selbst für Emily zu durchschlagend: Nach dem Hören des »strangen Manifestes« werden die Bewohner von Siliforville allesamt total »strange«. Statt Befriedigung zu verspüren, ist es Emily unangenehm. »Ich habe nicht das brennende Bedürfnis, anders als die anderen zu sein, aber ich verspüre auch nicht den Wunsch, dass sie so sind wie ich.« Kurz darauf versuchen die beiden Emilys, sich gegenseitig auszulöschen und für den Leser stellt sich die eigentlich unausweichliche Frage, welche Emily nun das Original ist und welche die Kopie davon.