Uninspiriert, doch die Hoffnung stirbt zuletzt
Doch was ist mit dem Charme der Jury-Reihe? Was ist mit dem englischen Lokalkolorit und vor allem mit den schrulligen Freunden und Kollegen von Richard Jury: Wiggins, Melrose Plant, Tante Agathe, Trueblood, Diane und der Atmosphäre des »Jack and Hammer«? Sie kommen zwar wieder vor. Aber von liebevoll kann keine Rede mehr sein. Sie treten eher pflichtschuldig auf und verschwinden mehr oder minder schnell wieder, wirken lustlos, uninspiriert und der Autorin lästig.
Kurz, der gesamte Charme und die Qualität der ersten Jury Romane sind verflogen. All die schönen Toten ist ein routiniert geschriebener Krimi, ohne sonderliche Überraschungen, ohne speziellen Flair oder Lokalkolorit. Käme er aus der Feder eines unbekannten Autors oder einer unbekannten Autorin, hätte der Verlag ihn wohl – verständlich und mit Recht – abgelehnt. Letztlich werden sich wahrscheinlich nur zwei Gruppen wirklich über diesen Krimi freuen: die eingefleischten Jury-Fans und Anhänger »klassischer« Krimis, denen es schon reicht, wenn dieser in der englischen Who-Done-It-Tradition steht.
Und allen Jung-Autoren, die verzweifelt fragen, warum so etwas veröffentlich wird, kann man zumindest eines mit auf den Weg geben: 1981, als der erste Jury-Krimi erschien, als Martha Grimes mit Schreiben begann, waren ihre Romane gut, wirklich gut. Ihre Fans hoffen ja bereits auf ihr nächstes Werk – und wohl auch darauf, dass Jury endlich wieder besser wird. Seien wir optimistisch und rufen Ihnen zu: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
