Junge Generation und Vergangenheit
Eine der Hauptfiguren des Romans, die junge Kulturjournalistin Sandra Horn aus München, geht den umgekehrten Weg. Sie soll in Bukarest eine moderne Frauenzeitschrift (»Magazin für die urbane rumänische Frau«) aufbauen. Da sie als Teenager einst mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen war, bedeutet die neue Lebensstation für Sandra auch eine Reise in die eigene Familien-Vergangenheit.
Mit Marcel Toma trifft sie auf einen Vertreter der erfolgreichen jungen Generation. Der verheiratete, vermögende Wirtschaftsanwalt, der durch Immobilienspekulationen zu ansehnlichem Reichtum gelangte, wird alsbald Sandras Liebhaber. Ausgerechnet Marcel, einer der Profiteure der neuen rumänischen Verhältnisse, schärft Sandras Blick auf die Vergangenheit: »Wir sind die Enkel all dieser Schurken und Schufte, Feiglinge und Schlitzohren, Schlaumeier und Marx-Kenner, all dieser Opfer und Semi-Opfer, Täter und Semi-Täter.«
Tatsächlich stößt die Journalistin auf viele dunkle Flecken in ihrer Familiengeschichte. Selbst ihr Vater Paul hat – wie sich später herausstellt aus gutem Grund – im Westen noch die Geheimniskrämerei forciert: »Ich weiß nur, dass Ypsilon uns eingeschärft hat, die drei Zimmer so zu belassen, wie sie sind. Er hat es sogar testamentarisch verfügt«, erfuhr Sandra über die repräsentative Villa ihres Großvaters Ypsilon Horn.
Sandra tastet sich in Bukarest Schritt für Schritt durch einen Dschungel aus Korruption, Lüge und Betrug. Gestern wie heute diktiert von einer kriminellen Staats- und Wirtschaftsmacht – und mittendrin ihre eigene Familie.