Trash-Metal versus Deep Purple
Doch was »nun vor Gott, dem Gesetz und dem Finanzamt unwiderruflich eine Tatsache« ist, taugt doch nicht zum Familienleben. Der Sohn wächst bei seiner Mutter auf, Chuck bleibt eher ein ungern gesehener Gast. Als pubertierender Halbwüchsiger verhält sich der Sohn genauso widerborstig, betont cool und desinteressiert wie seinerzeit sein Vater. Man trifft sich, hängt gemeinsam ab und hört Musik (Trash-Metal versus Deep Purple), doch eine rechte Begeisterung will nicht aufkommen. Chucks schwärmerische Passion für das Boxen entlockt dem Sohn nur gelangweiltes Schweigen – und die geschenkte Gitarre bleibt ungenutzt in der Ecke stehen.
Das Geschenk könnte ein erhellendes, anrührendes Vaterbuch sein, doch Wondratschek gelingt es nicht, das Leitmotiv vollständig durchzuziehen. Stattdessen driftet er konsequent ab, setzt seinem geschätzten und geachteten Verleger-Freund ein beachtliches Denkmal (»Man erzählte sich von ihm, dass er, noch bevor er morgens seine Augen aufschlug, schon ein Buch in der Hand hatte«), schiebt eine launig-komische Passage über die »Dressur libidinöser Energien« in einer urologischen Praxis ein, sinniert über Drogen, die Liebe und Donald Duck. Und doch vermag es Wondratschek, mit der Kraft seiner Lyrik eine allumfassende Klammer um diese Erzählung zu legen. Zu Beginn eine melancholische Rückkehr in Chucks Zimmer – als krönender Abschluss ein Vatermord am Sizilianischen Sonntag. Die Schusswunde denken wir uns dazu.
