Snapshots aus der Hölle
Robert Dells Kampf um Gerechtigkeit, der, je länger er dauert, umso deutlicher die Züge einer Vendetta annimmt, der er selbst am Schluss zum Opfer fällt, wird erzählerisch flankiert von zwei Geschichten, die den Blick auf die südafrikanische Gesellschaft heute ausweiten. Im Mittelpunkt der ersten steht eine Gestalt, die der Leser schon aus Kap der Finsternis kennt: Disaster Zondi. Wie in Smith‘ Romandebüt schlägt sich der Antikorruptionsbeamte auch diesmal mit jenen Kräften herum, die die unübersichtliche Lage im Land zur persönlichen Bereicherung nutzen. Mit dem Mörder Rosie Dells, einem Zulu-Häuptling, der einem machtgeilen und skrupellosen Minister als willfähriges Werkzeug zu Diensten ist, hat er aber auch noch eine persönliche Rechnung offen.
Und schließlich ist da noch Sunday, ein Zulu-Mädchen, um dessen Hand jener Inja Mazibuko anhält, den Dell und Zondi jagen. Offenbar Zondis Tochter und von anrührender Kindlichkeit, wird sie von ihrer Tante wie ein Stück Vieh an einen Mann verschachert, der glaubt, sich durch den Verkehr mit einer Jungfrau von seiner AIDS-Erkrankung befreien zu können. Auch sie hat keine Chance in einer Welt von Armut, Aberglauben und archaischen Ritualen.