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Freitag, 25. Mai 2012 | 17:17

Mark Watson: Elf Leben

29.08.2011

Nichts bleibt ohne Folgen

Der Sommer ist da und mit ihm die passende Lektüre: Elf Leben von Mark Watson ist

eine Mischung aus Witz und Melancholie, Erheiterung und Ernsthaftigkeit. Es ist kein Buch, an das man noch Jahre später zurückdenken wird, aber eines, das für eine Weile berührt. Und damit genau richtig für die eine Zeit im Jahr, in der wir jeden Augenblick genießen wollen. Von CATHÉRINE WENK

 

Elf Leben ist eine kleine Premiere. Zwar ist es nicht Watsons Debüt – der Engländer hat bereits zwei Romane zuvor veröffentlicht – aber es ist sein erstes ins Deutsche übersetzte Werk. In England ist Watson berühmt, und das nicht nur als Autor. Neben seiner Tätigkeit als Radio- und Fernsehmoderator ist er auch erfolgreicher Stand-up-Comedian. Die Fähigkeit zur pointenreichen Sprache, zu Witz und Ironie lässt sich daher auch in Elf Leben schnell ausmachen. Viele Szenen im Buch sorgen für amüsiertes Schmunzeln.

 

Elf Leben - im Zentrum eine Hauptfigur

Der Titel des Romans verrät bereits viel über seine Grundkonstruktion. Erzählt wird die Geschichte vom Leben elf verschiedener Personen, die über ihr Handeln und dessen Folgen auf gewisse Art und Weise alle miteinander verbunden sind. Die Hauptfigur des Romans ist mit Radiomoderator Xavier Ireland bereits von Anfang an festgelegt. Er stellt den Dreh- und Angelpunkt des Figurenkabinetts dar. Mit der Fokussierung auf eine Hauptperson gelingt es Watson, die Erzählstränge zu ordnen und Komplexität zu reduzieren. Während über das Leben der übrigen zehn Figuren verkürzt und zeitraffend berichtet wird, bleibt genügend Platz, um sich ausführlich dem Protagonisten Xavier zu widmen.

 

Xavier ist von Beginn an der Sympathieträger des Romans: gutaussehend, charmant, humorvoll und erfolgreich in seinem Job. Der besteht darin, sich als Londoner Radiomoderator in einer Nachtsendung die Probleme seiner schlaflosen Anruferschaft anzuhören. Geduldig verteilt Xavier Tipps zur Bewältigung der Schwierigkeiten und gibt dabei die eine oder andere Anekdote zum Besten. Doch so hilfsbereit und couragiert er sich in seiner Sendung zeigt, so sehr lässt er diese Eigenschaften in seinem persönlichen Alltag vermissen. Dort nämlich hat sich Xavier vor allem eine Maxime gesetzt: sich möglichst aus allem, was ihn nichts angeht, rauszuhalten.

 

Aus jedem Handeln ergeben sich Konsequenzen

Genau hier setzt die Grundaussage von Watsons Romans an: Jede Handlungen eines Einzelnen beeinflusst zugleich auch das Leben von anderen, fremden Menschen. Nach diesem Prinzip ist die gesamte Struktur von Elf Leben ausgerichtet: Xavier wird eines Tages Zeuge einer Prügelei an einem Jungen. Verhindern kann er sie allerdings nicht. Dies führt dazu, dass die Mutter des Jungen, eine Journalistin, so erzürnt über die Attacke gegen ihren Sohn ist, dass sie,völlig ungerechtfertigt, eine niederschmetternde Kritik über ein Restaurant in der Stadt schreibt. Der negative Artikel wiederum verärgert den Besitzer des Restaurants so sehr, dass er infolge eines Wutanfalls einer Aushilfe in seinem Laden, dem Teenager Julius, kündigt. Damit der übergewichtige Junge sich weiterhin seine Fitnessstudiobesuche leisten kann, stiehlt er einige Tage später einem Mann in der U-Bahn das Handy. Und auch diese Handlung zieht weitere Konsequenzen nach sich.

 

Nach und nach spannt sich somit eine Schnur von Ereignissen, die die elf verschiedenen Personen miteinander verbindet. Im Zentrum des Ganzen steht dabei stets Xavier, über dessen Vergangenheit der Leser ebenso etwas erfährt wie über die gegenwärtigen Entwicklungen in seinem Leben, der aufkeimenden Liebe zu seiner Putzfrau Pippa. Sie macht ihm klar, dass der Rückbezug auf sich selbst keine gelungene Lebenshaltung ist. Xavier beginnt sich durch sie zu verändern und mit seinem Wandeln geht auch die Botschaft des gesamten Romans einher: Manchmal ist es eben notwendig, sich in das Leben anderer einzumischen und damit den Lauf der Dinge bewusst zu beeinflussen.

 

Das Leben und seine verworrenen Wendungen

Mit Elf Leben ist Watson ein humorvoller, aber zugleich auch ernsthafter Roman gelungen, der bewusst auf ein kitschiges Happy End verzichtet. Einmal angefangen ihn zu lesen, fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Lebensnah kommen die einzelnen Geschichten der Personen daher, locker und leicht ist die Sprache, die Watson benutzt. Und auch in der deutschen Übersetzung (von Stefanie Jacobs) behalten die Anekdoten und komödiantischen Szenen ihre Pointen. Wer hohe, anspruchsvolle literarische Kost erwartet, wird von Elf Leben enttäuscht sein. Wer etwas über das Leben an sich und seine manchmal seltsam verworrenen Wendungen lesen möchte, wird den Roman lieben.

 

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