Michael Wallners Roman startet äußerst vielversprechend, denn zeitgleich mit dem mysteriösen Todesfall gibt es in Kälps Leben eine zweite Zäsur. Er begegnet der aus Wolfsburg stammenden Automechanikerin Birgit, die mit ihrer entwicklungsgestörten Tochter Tabea im Nachbarhaus ihren Urlaub verbringt. Obwohl die kettenrauchende und wenig charmante Birgit alles andere als eine Traumfrau ist, übt sie auf den Tierarzt, der sich gefangen im "im Eispanzer meiner Ängstlichkeit" fühlt, eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Sie hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, changiert in ihrem Verhältnis zu Kälp zwischen Annäherungen und Abwendungen, zwischen Begierde und Gefühlslosigkeit.
Je weiter wir in die Handlung eindringen, umso mehr labyrinthische Fährten eröffnen sich, und der Erzählfaden droht etwas auszufransen: Anspielungen auf das Leben im Kloster und eine Freundschaft mit dem Subprior Daniel, die schwangere Thai-Frau des zu Tode gekommenen Schreiners, Kälps ambivalentes Verhältnis zu seinem verstorbenen Bruder, der ein renommierter Theologe war und einen internationalen Bestseller mit dem Titel "Intuitives Suchen" vorgelegt hatte, und nicht zuletzt die undurchsichtige Una - die Ex-Verlobte des Bruders. Total verängstigt begegnet jene Una Kälp auf dem Dachboden. Er hat einen Strick in der Hand, doch es kommt nicht zum dramatischen Finale, der Tierarzt will lediglich Wäsche aufhängen.
Wallner kann sich zwar nicht so recht zwischen Krimi, Heimatroman und Liebesgeschichte entscheiden, gleichwohl versteht er es, der zeitweise nur eher gemächlich dahin trudelnden Handlung immer wieder ganz geschickt neue Spannungsmomente einzuverleiben und darüber hinaus sogar beim Leser Sympathie für einen unglücklich liebenden, paradigmatischen Antihelden zu wecken.
