Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 17:24

 

Annette Turner: Babels Park

06.04.2004

 


Cybermärchen

Ein Protokoll des Verschwindens



 

Das Interessanteste und Kurioseste an diesem Werk ist zuallererst die paratextuelle Ebene, denn eine Zuordnung von Autor, Verlag, Herausgeber und Protagonist ist für den gemeinen Leser nicht ersichtlich. Eine Dame namens Annette Turner zeichnet als Autorin, da sie aber gleichfalls auch die Protagonistin dieses Cyber-Märchens ist, wird die Autorenschaft im Impressum auch gleich wieder negiert. Jene Annette nämlich, die durch die virtuellen Zukunftswelten des Babel’s Park streift, löst sich im Laufe des Romans von ihren todkranken Körper, um ihr Dasein „als Cyberhure“ zu fristen. Also wird ein Herr namens Mickey Hargrove (ergo: Hargrove Press, der Verlag) als Protokollant genannt. Des Weiteren aber signiert der Verlag auf dem beigelegten Pressezettel als ‚Babel’s Park Entertainment’.


Diese virtuelle Reise durch den Publikationsdschungel hat mich so ergriffen, dass ich gar keine Lust mehr hatte, mich darüber zu informieren, was denn jetzt wirklich Realität und Fiktion ist. Ich erwähne das deswegen, weil die Geschichte als solche nicht unbedingt viel hergibt: Die Idee ist in Ordnung, nur ist das ganze Buch miserabel geschrieben. Ein bisschen erinnert der Sprachgestus der Ich-Erzählerin an Nina Hagen (anyway, nicht wahr?) und das ist nur schwer zu ertragen. Doch ist dies vielleicht insofern Absicht, als dass Babel’s Park nur als Metaerzählung funktionieren soll und nicht als das geschrieben Wort, dass der Leser rezipiert und sich in den Bann einer Geschichte gezogen fühlt.


Nein, ich denke, hier geht es um mehr, nämlich um ein Protokoll des Verschwindens und Sich-Auflösens. Festgefahrene Strukturen und Regeln müssen gebrochen werden, um ein solch perfides Spiel mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Irre ich mich in meinen Vermutungen, dann bin ich einem Witz aufgesessen und finde das Buch nur noch blöd. Ist das Ganze aber wirklich als greifbarer Hypertext gedacht, dann: Glückwunsch, sehr originell.


Sascha Seiler


Annette Turner: Babel’s Park
Hargrove Press
Taschenbuch. 120 Seiten. 11,95 Euro.

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...