TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 19:12

 

Paula Köhlmeier: Maramba.

11.04.2005

 
Geschichten ohne Fortsetzung

Auf tragische Weise starb die hochtalentierte Paula Köhlmeier mit 21 Jahren – nun liegt eine Textsammlung aus dem Nachlass vor.

 

An einem Augusttag 2003 machte Paula Köhlmeier, geboren 1982 in Bregenz, auf einem harmlosen Wanderweg in Vorarlberg einen Spaziergang, stürzte und verunglückte tödlich. Eines der großen Talente der neuen deutschen Literaturszene konnte nicht mehr weitersprechen, eine literarische Stimme war verstummt.
Im Wiener Zsolnay Verlag ist nun eine Sammlung von Kurzgeschichten erschienen, die Paula Köhlmeier ursprünglich zu einem Roman ausarbeiten wollte, wie die Eltern im Nachwort berichten. Das merkt man den kleinen Prosastücken an: es gibt zwar keine durchgängige Handlung, aber man findet verschiedene Figuren, z.B. die Heldin Rutha, an unterschiedlichen Stellen in der Sammlung wieder. Sie tauchen immer wieder auf, man entdeckt immer neue Facetten, sie stehen in immer neuen, oft makabren und grotesken Situationen.

Rutha ist eine autobiographische Figur. Einige der Episoden haben Mexiko als Schauplatz, Paula Köhlmeier hat selbst dort mehrere Monate verbracht und offensichtlich Ideen gesammelt. In den Szenen in einem Café in Zipolite, einem Ort am Meer, könnte man sich durchaus Paula Köhlmeier selbst vorstellen. Weitere autobiographische Elemente sind das Kino in Wien (die Autorin arbeitete als Filmvorführerin) und die Heimat Vorarlberg, die einige der 47 Kurzgeschichten prägen. Paula Köhlmeier studierte nach ihrem Mexiko-Aufenthalt an der Filmakademie in Wien und schrieb Scripts und Treatments. Das spürt man deutlich in ihrer Prosa, in der dichten Atmosphäre, die sie mit wenigen Worten und großer Sprachprägnanz erschafft, und in den plastischen Schilderungen ihrer Umwelt und der Personen.

Große Sprachprägnanz

"Maramba ist ein Gefühl. Ein Gefühl, das man nicht erklären kann." Dieses undefinierbare Gefühl gehört zum Lebensgefühl sowohl der Autorin selbst als auch ihrer Figuren. Sie erleben flüchtige Begegnungen mit der (oft unerfüllten) Verheißung auf Mehr, sie fühlen vage Hoffnung, sie sind mutig und schwach zugleich, entschlossen und zögernd, spüren den Zauber des Lebens und wagen es, magische Momente zu träumen. Immer ist da aber die Angst, verlassen zu werden oder allein zu sein. Dieser Trostlosigkeit und Traurigkeit begegnen die Menschen mit absurden Dialogen, oft auch mit scharfsinniger Komik. Es gibt aber auch zynische, aberwitzige Pointen, die das Leben auf den Kopf stellen.
"Es ist schwer zu verstehen, dass das Kind irgendwann abfällt wie ein Mantel, der zu klein geworden ist. Diesen Satz habe ich so oft gesagt. Zu Leuten, die ich kaum kannte. Zu Freunden. Zu meinem Spiegelbild im Badezimmer. Nachts unter der Zudecke. Ich habe mich mit dem Gedanken, kein Kind mehr zu sein, versöhnt. In dem traurigen Kinosaal habe ich es begriffen. Als Kind war die Welt um mich herum wie ein bunter Film, und ich war eine Schwarzweißfigur in der Welt. Wann immer ich versuchte, bunt zu werden, wurde die Welt um mich herum schwarzweiß. So war ich nie, wie die Welt war."
Passagen wie diese, voller Schmerz und sensibler Einsicht, aber auch mit gewissem Optimismus gegenüber den Veränderungen der Zukunft, stammen unverkennbar von einer sehr jungen Schriftstellerin, aber eben dies macht den Zauber dieser Kurzgeschichten aus, die ungekünstelt und ehrlich den Leser in ihren Bann ziehen. Ein anrührendes Debüt, das große Hoffnungen weckt, die leider unerfüllt bleiben müssen. Schade, dass wir uns nicht mehr auf einen (Kurz-) Film von Paula Köhlmeier freuen können...

Saskia Breitling


Paula Köhlmeier: Maramba.
Mit einem Nachwort von Monika Helfer und Michael Köhlmeier.
Zsolnay.
Gebunden. 253 S. ¤ 18,40.
ISBN: 3-552-05333-6

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...