Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 19:18

 

Anna Gavalda: Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet

12.02.2004



Heiter bis tragisch

Eine erheiternde und zugleich anrührende Chronik des Alltags: Anna Gavaldas Kurzgeschichtensammlung „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“


 

Anna Gavalda ist eine junge Französin, die mit „Ich wünschte, es würde jemand auf mich warten“ ihr erstes Buch bei einem kleinen Pariser Verlag veröffentlichte. Es wurde ein großer Erfolg in Frankreich, erreichte Kultstatus, und Anna Gavalda avancierte so zum Star der jungen französischen Literaturszene.

„Ich wünsche...“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die wie Variationen um ein Thema klingen: die Liebe, in ihren komischen, tragischen, alltäglichen und außergewöhnlichen Schattierungen. Dabei spiegeln die Geschichten die gesamte Palette menschlicher Gefühle wider, weshalb die „Libération“ urteilte: „Keiner kann sich so in andere hineinversetzen wie sie (die Autorin).“

Die Geschichten bieten Einblicke in das Leben unterschiedlicher Charaktere, sie sind aus verschiedenen Erzählperspektiven geschrieben: mal zerstört ein Handy-fixierter potentieller Flirt die Hoffnungen der Ich-Erzählerin, mal hat ein junger Schnösel, anstatt einer weiblichen Eroberung mit dem Jaguar seines Vaters zu imponieren, einen Unfall mit einem Wildschwein und ruiniert so das Luxusauto, oder eine Schwangere verheimlicht ihre Fehlgeburt, um ihrer Cousine die Hochzeit nicht zu verderben.

Vor allem die Geschichten, die aus dem weiblichen Blickwinkel geschrieben sind, sind authentisch, während in jenen, in denen die Autorin die männliche Sichtweise einnimmt oder Männer als Hauptfiguren wählt, teilweise Distanz zu spüren ist. Vor allem im ersten und letzten Teil der Sammlung finden sich selbst-reflexive Elemente, wie man sie aus amerikanischen postmodernen Kurzgeschichten kennt: die Autorin geht über die rein fiktionale Ebene hinaus, sprengt also den Rahmen der eigentlichen Erzählung und spricht den Leser direkt an, wobei durchaus auch intertextuelle Verweise auf französische Literaturgrößen vorkommen: „schon bei Sagan vorhin werden Sie gemerkt haben, dass ich aus einem literarischen Fundus schöpfen kann, wie es so schön heißt!!!“

Insbesondere diese beiden Geschichten sind es auch, die das spezielle französische oder genauer Pariser Flair verbreiten: im Epilog z.B. beschreibt Anna Gavalda, wie sie nach Paris zum ersten Termin mit ihrem Verleger fährt. Absurderweise ist sie nicht mehr in der Lage, sich nach dem Gespräch mit ihm vom Stuhl in seinem Büro zu erheben. Gerade diese kleinen Absurditäten, ja Kuriositäten, mit einem Augenzwinkern erzählt, machen die Geschichten so sympathisch, während andere durch die tragischen Momente anrühren. Diese Mischung mag etwas befremdlich erscheinen, weil die Tonarten recht wechselhaft sind, aber ist nicht so auch unser aller Leben?

Textauszug:

Ich war sechsundzwanzig Jahre alt und stand in einem Bahnhof auf dem Bahnsteig. Ich begriff nicht, wieso sie so sehr weinte. Ich schloß sie in die Arme und vergrub mich in ihren Nacken. Ich glaubte, sie sei unglücklich, weil ich wegfuhr, und sie wollte mich ihre Verzweiflung sehen lassen. Und dann, einige Wochen später, nachdem ich am Telefon wie ein Bekloppter meinen Stolz mit Füssen getreten hatte oder in allzu langen Briefen nach ihr geseufzt hatte, begriff ich endlich.

Daß sie an jenem Tag schwach geworden war, weil sie wusste, dass sie mein Gesicht zum letzten Mal sah, dass sie über mich weinte, über meine sterblichen Überreste. Und dass sie schwer daran trug.


Saskia Breitling

 


Anna Gavalda: Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet. Erzählungen, aus dem Französischen von Ina Kronenberger. Carl Hanser Verlag , 168 Seiten, 14,90¤ .ISBN 3-446-20130-0

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...