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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:19

 

Philippe Djian: In der Kreide

14.08.2006

 
Djians lässige Literaturgeschichte

Philippe Djian, Autor von zahlreichen Romanen wie „Betty Blue“ oder „Blau ist die Hölle“, erzählt von den Büchern, die sein Leben geprägt haben – amüsant, ungekünstelt und so lässig wie in seinen Prosatexten.

 

Zehn Autoren, die sein Leben durcheinander gebracht haben, stellt Philippe Djian in dem kleinen Buch „In der Kreide“ unaffektiert und unbeeindruckt von jeglicher Zuschreibung der modernen Literaturwissenschaft vor: „Jeder von ihnen hatte auf seine Art meine Sichtweise verändert. Es handelte sich dabei nicht mehr um das Lesevergnügen […], sondern um Erziehung, Einmischung, um Dinge, gegen die man vergeblich ankämpft.“ In kurzen Kapiteln schreibt Djian über Bücher von Jerome David Salinger, Louis-Ferdinand Céline, Blaise Cendrar, Jack Kerouac, Herman Melville, Henry Miller, William Faulkner, Ernest Hemingway, Richard Brautigan und Raymond Carver. In den ersten Kapiteln seines Buches stellt Djian noch deren für ihn herausragende Werke vor, nach einer Weile verfällt er jedoch in einen Plauderton, verliert sein ursprüngliches Vorhaben, die „Bücher seines Lebens“ zu beschreiben, und erzählt beispielsweise von Hemingways zahlreichen Selbstverstümmelungen.

Die Abschweifung von den einzelnen Büchern hin zu den Autoren als Persönlichkeiten oder deren Lebenswerk tut der Qualität von In der Kreide jedoch keinen Abbruch, sondern lässt das Buch vielmehr zu einem Fundus von Anekdoten und subjektiven Leseerlebnissen werden. Häufig stellt Djian die Autoren und ihre Werke in den Zusammenhang mit seiner eigenen Biografie, schreibt, wie sie seinen Blick auf die eigenen schriftstellerischen Leistungen verändert haben oder in welcher Phase seines Lebens er sich befand, als er ihre Werke las. Dabei verrät er auch einen großen Teil seiner Poetologie: die Konzentration auf den Stil des Werkes und die dominante Rolle, die er der Sprache gegenüber dem Inhalt der Literatur zuschreibt. Durch diese theoretische Seite des Buches und die zahlreichen subjektiven Blicke auf Autoren und Werke ist In der Kreide eine äußerst lesenswerte und kurzweilige Mischung aus literarischer Autobiografie und subjektiver Literaturgeschichte und -theorie.


Katharina Bendixen


Philippe Djian: In der Kreide. Die Bücher meines Lebens. Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Diogenes 2006. Taschenbuch. 128 Seiten. 6,90 Euro. ISBN 3-257-23549-6

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