"Ku mai! Ku mai! Ka nalu nui mai Kahiki mai,
Alo po i pu! Ku mai ka pohnehne,
Hu! Kai ko´o Loa."
Mit diesem klangvollen Gesang
beschwören die Eingeborenen Hawaiis die Brandung des Pazifischen Ozeans. "Erhebt euch! Ihr großen Brandungen von Kahiki." Dann werden Männer und Frauen auf ihren Brettern aus Holz über das Wasser laufen.
Keiner, so war Mark Twain nach eigenen erfolglosen Surfversuchen sicher, wird das "He´e nalu", das Wellengleiten, jemals so vollendet beherrschen wie die Ureinwohner der Pazifischen Inseln, in deren Mythologie und Tradition der Brandungssport tief verwurzelt ist.
Das Wellenreiten gilt bei ihnen als Geschenk der Götter an die Menschen. Deshalb bedeutet ein Verschwinden dieses traditionellen Volkssports durch das Eindringen der Haoles, der Fremden, die den Eingeborenen, respekt- und skrupellos ihren Glauben und ein zivilisiertes Leben aufdrängten, sowohl einen enormen religiösen als auch kulturellen Verlust.
Die Reise durch die Welt des Surfens entführt den Leser nicht nur in die Welt der Mythen und Legenden Hawaiis. Der literarische Surftrip enthält auch Romanausschnitte aus Werken bekannter Autoren wie Jack London oder Allan C. Weisbecker, die sich in Surfabenteuer gestürzt haben und ihre Erfahrungen autobiographisch wiedergeben.
Isabella Bird schildert, wie sie während ihres sechsmonatigen Aufenthalts auf den Sandwich-Inseln das Inselvolk, seine Sprache und Lebensart immer besser verstehen und lieben lernte.
Auch wer noch nie auf einem Board gestanden ist, kann das Surf-Feeling bei der Lektüre dieser ausführlichen Erfahrungsberichte hautnah nachempfinden. Allen, denen das Surfen mit Board nicht Adrenalin-Kick genug ist, gibt Duke Kahanamoku, Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 1912, im Anhang des Buches eine präzise Anleitung zum Bodysurfen, dem Surfen ohne Brett.
In Kalifornien hat sich das Surfen besonders für eine Gruppe von Teenagern zu einer eigenen Lebensanschauung entwickelt. Gidget, in Frederick Kohners gleichnamigen Roman, und Ike, in Kem Nunns "Nacht über Surf City", müssen erkennen, dass es nicht einfach, wenn nicht sogar unmöglich ist, sich bei den Surf-Kids zu integrieren und wohlzufühlen. Aber wollen die beiden Jugendlichen, nachdem was sie erfahren haben, überhaupt noch dazugehören?
Die Mitglieder der "Pump House Gang" bei Tom Wolfe dagegen wissen genau, dass ihre Existenzform am Beach von Malibu die einzig lebenswerte ist. "Mieh-daa!"- Ihnen allein gehört dieser Schlachtruf und nur sie wissen Bescheid über das "Mysterioso", das große Geheimnis des Pazifischen Ozeans. Und sie wissen auch, dass es nach dem Überschreiten der "schrecklichen Grenzscheide" von 25 Jahren nur einen ehrenwerten Ausweg gibt, den Tod.
Bilder, Fotos und Illustrationen zum Thema machen die abwechslungsreiche Surfgeschichten-Sammlung von Ralf Chudoba und Michael Zöllner nicht nur lesens- sondern auch sehenswert und wer dann noch was dazulernen will, der sei auf den "Surfinary" verwiesen, in dem die wichtigsten Ausdrücke des Surfer-Slangs erklärt werden.
Also dann: Cowabunga! Lasst die ewige Suche nach dem endlosen Sommer und der perfekten Welle beginnen.
Textauszug:
"Ich garantiere aber, dass die erste Welle eines der besten Erlebnisse ist, die man je hatte, und dass es zur Sucht werden kann." (Thomas Lange) Eva Maria Vogel
Endloser Sommer, Ein literarischer Surftrip. Hrsg. v. Ralf Chudoba u. Michael Zöllner. Mit hawaiischen Legenden und Surfgeschichten von Captain Cook, Duke Kahanamoku, Jack London, Kem Nunn, Mark Twain, Tom Wolfe u. a..
Tropen Verlag 2001. Kartoniert. 213 Seiten. 24,80 DM
ISBN: 3-932170-40-7