Jochen Weeber: Apothekenbäume
30.07.2007
Gut gepflegte Apothekenbäume
Die Themen der Geschichten sind ganz unterschiedlich; es geht um Heimatsuche, ums Durchhalten und ums Anderssein
Der Erzählband Apothekenbäume des Reutlinger Schriftstellers Jochen Weeber gefällt durch eine poetische und oft feinhumorige Sprache, die mit bemerkenswerten und frischen Bildern daherkommt. In den rund zwanzig Geschichten schafft es der Autor, immer wieder die unterschiedlichsten Töne anzuschlagen. Oftmals lauern an unvorhergesehenen Stellen Wendungen, und bei all dem scheint Weeber ein Händchen dafür zu haben, dass Leichtigkeit und Ernst sich nicht gegenseitig ausschließen müssen.
Die Themen der Geschichten sind ganz unterschiedlich; es geht um Heimatsuche, ums Durchhalten und ums Anderssein; um Fußballfans, Weihnachtsbäume und Campingplätze. Ob seine Protagonisten nun alt oder jung sind - Weeber lässt sie oft in die komischsten Situationen hineinmarschieren, und genau dort lernt man sie schließlich richtig gut kennen.
Ein schönes Beispiel jener Sätze, mit denen Weeber seine Leser gleich zu Anfang einer Geschichte geschickt in eine neue Szenerie hineinbefördert, ist der Text "Walter": "Es gibt Zusammenhänge, die sich Walter nicht erklären kann. Vor zwei Wochen hat er begonnen, morgens Kaffee zu trinken, statt Tee, und seither bekommt er keine Post." Weebers neue Erzählungen: Lohnenswert!
Klaus Daniel
Nach seinem Gedichtband Wieder mal Usbekistan (1999) und den Erzählungen Die grasgrüne Badehose (2003) bildet dieser Erzählband Weebers dritte Veröffentlichung. Für seine Arbeit hat der 1971 in Vaihingen/Enz geborene Autor u.a. das Stipendium ESSLINGER BAHNWÄRTER und die Stadtschreiber-Stelle Schwaz erhalten.
Jochen Weeber: Apothekenbäume. Wiesenburg Verlag 2007. 110 Seiten 12,00 Euro.