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Freitag, 25. Mai 2012 | 19:30

Thomas Kraft (Hg.): Beat Stories

24.04.2008

Herzbeats

Sgt. Pepper bittet ins Jugendheim, "Satisfaction" guaranteed! Eltern mussten draußen bleiben, erste Küsse und letzte Versprechungen duldeten keine erwachsenen Zeugen. Nur eine mitreißende Musik durfte hinein - Beat.

 

In der Anthologie Beat Stories begegnet dem in die Jahre gekommenen Bücherwurm und Musikverwerter Seite für Seite die eigene Jugend. Genauso oder täuschend ähnlich könnten viele der heute Fünfzig- bis Sechzigjährigen derartige Geschichten erzählen, die vom Aufbegehren gegen die Eltern handeln und von der Entdeckung völlig neuer Musiken.


Werner Pieper, der Grüne Kraft-Verleger, schreibt über Little Richard, eingangs seiner Geschichte Das Kraut rockte, um dann über The Mamas & The Papas zu schreiben - das Flower-Power-Künstler-Kollektiv aus San Francisco. Barbara Honigmann aus dem Osten Berlins versinkt noch einmal in die Doppel-LP 461 Ocean Boulevard von Eric Clapton. "Slowhands" Befreiungsschlag hatte eigentlich mit Beat Music nicht mehr viel zu tun, unter dem großen Baldachin Beat Stories passen Honigmanns erinnernde Schwärmereien an die neuen Töne des ehemaligen Cream-Superstars aber noch ganz gut.

 

Nach dem Beat

In den 70ern war Beat Music tatsächlich schon passé. Als nämlich beatfremdes Material wie Glam Rock, Disco, Reggae und Avantgarde die populäre Musikwelt dominierten, zählten auch die markanten Stimmen des Mersey Beats und der British Invasion im Grunde schon zur Vergangenheit. Was blieb, waren die Vorläufer, besonders der Blues, der in allen nur denkbaren Variationen seine Unsterblichkeitstour startete.


Eine ganze Horde erinnerungswütiger SchriftstellerInnen - von Franzobel bis Matthias Politycki, von Tanja Dückers bis Marlene Streeruwitz - gestatten einen Blick in ihre musikbeseelten Jugendjahre. Ständig begleitet von der damals sehr verunglimpften populären Musik für junge Leute, die heute wie selbstverständlich auch von Feuerwehrkapellen und Sinfonieorchestern (siehe Beatles!) interpretiert wird. Doch als der Kulturkampf in den Sechzigern tobte und Rudi Schuricke und Horst Wendtland aus den Jugendverzimmern vertrieben wurden, klaffte eine ziemliche Lücke im Generationengetümmel. Auch davon erzählen die Beat Stories, die der Literaturkritiker und Publizist Thomas Kraft herausgegeben hat.

Am Ende ist es Nico (Christa Päffgen), die in Gregor Hens kurzer Replik ihre Situation, der des Todes, verlässt. Stationen ihres Lebens und Schlagworte ihres Handelns prasseln in flüchtigen Sätzen auf den Leser ein. Der Titel des Beitrages sagt es: Die meisten Worte fehlen noch. Velvet Underground und La Dolce Vita, Coco Chanel und Lou Reed, ein paar Magnete nur in einem zerrissenen Leben.

 

 

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