Tagebuch einer Grenzwanderung
So hat der weitgehend untrainierte Zweizentnermann Schanz keine Mühen und Entbehrungen gescheut, geradeso wie man es von einer Pilgerreise erwartet. Oft ist er mit bandagiertem Knöchel eher gehumpelt als stramm dahinmaschiert. Nicht selten war der Weg zugewachsen, vermoost, untergepflügt („Gut am Alleinwandern ist ja auch, beim Verlaufen sich selbst gegenüber verantwortlich zu sein.“). Und er, der studierte Historiker und Politologe, gestand in einem Interview, dass er es auf seiner Wanderung zunehmend als Pflicht und Aufgabe empfunden habe, „in deutscher Geschichte nachsitzen zu müssen, unerledigte Hausaufgaben endlich abzuliefern“.
Doch keine Sorge: Trotz gebeichteter Ernsthaftigkeit sprüht Schanz´ Reisebericht nur so vor Sprachwitz und Situationskomik, vor scharfzüngigen Erkenntnissen und abstrusen Begegnungen. Anekdotenhaft skizziert der Autor groteske Szenerien, wie sie nur ein Theaterregisseur beschreiben kann – und doch blitzt stets eine tiefe Aufmerksamkeit und Herzenswärme durch. Fünf Moleskine-Notizbücher hat er auf seiner Reise gefüllt, zahllose Fotografien geschossen (eine kuriose Auswahl davon ist in der Buchmitte vereint). Nur mit den üblichen Insignien des stolzen Fernwanderers will Schanz sich nicht schmücken. So verschont er den Leser glücklicherweise mit Tageskilometerleistungen, Ausrüstungsdetails oder GPS-Koordinaten. Zurück bleibt das Logbuch einer außergewöhnlichen Wanderung durch ein ländliches Deutschland, das uns exotischer erscheinen mag als die unbekannte Ferne.