Mal sehen, ob die Erde bald wieder bebt. Mal sehen, was die Finanzkrise macht. Mal sehen, ob die Russen nun wirklich in Georgien einmarschiert sind. Mal sehen, was Kathrin Röggla uns in die alarmbereiten in altbekannter Kleinschreibung zu sagen hat.
„mal sehen“, eine explosive Mischung aus Sensationsgeilheit, Voyeurismus und Langeweile lässt jeden von uns zu Katastrophenexperten und -expertinnen werden. Der nächste Ausnahmezustand ist omnipräsent, unsere Wirklichkeit strotzt nur so vor Katastrophenerzählungen, die immer an einzelne Individuen gekoppelt sind. Damit auch ganz bestimmt das Gefühl der Nähe, des Dabeiseins nicht an mir vorübergeht.
Hinter jeder noch so kleinen Handlung vermuten Kathrin Rögglas „alarmbereite“ in den sieben Episoden, vom „zuseher“ über „die ansprechbare“ bis hin zum „recherchegespenst“, den Ausnahmezustand, den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
„es sind die kleinen dinge, die die großen auslösen, die kleinen kräfteverschiebungen, die die großen nach sich ziehen, eine chemische irritation, ein kurzschluss, eine falsche anweisung, ein umgekippter schalter“, warnt uns das Krisen-Ich im ersten Kapitel „die zuseher“
.
Es sind nicht die schon eingetroffenen Katastrophen, die sie ruhelos bis in ihre Sprache hinein werden lassen, es sind die noch auf sie zukommenden Ausnahmezustände: das Schmelzen der Polarkappen, die nächste große Überschwemmung, die noch spürbar werdenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, der nächste Amoklauf an einer Schule. Rögglas Krisensubjekte befinden sich auf der Schwelle zur Krise, sind Experten, egal was für eine Katastrophe auf sie zurollt, sie sind sprachlich gewappnet, so scheint es. Neue Begrifflichkeiten wie „toxische kreditflut“ oder „permafrostbild“ gehen wie selbstverständlich über ihre Lippen, sind zur Normalität geworden.
„man müsse in kürze durch einen ganzen haufen von normalität hindurch, insofern dürfe man nicht schon bei der normalität der waldbrände steckenbleiben. man müsse diese normalität schlucken, sie schnellstmöglich verdauen, um zu den nächstmöglichen normalitäten zu kommen, die da noch zu verdauen sein dürften.“