Klaus Modick ist ein Romancier, das muss man im Hinterkopf haben, wenn man seine Sammlung zur Kenntnis nimmt, die, wie der Verlag mitteilt, „teilweise unveröffentlichte Erzählungen, die in über 20 Jahren Schriftstellerdasein entstanden sind“, enthält. Zudem hat man Modicks schriftstellerisches Selbstverständnis zu bedenken, das nicht im Anspruch sogenannter Kunstliteratur besteht, sondern darin, für ein Publikum zu schreiben, „das nicht gewillt ist, sich langweilen zu lassen“, wie Walter Hinck in der FAZ feststellte.
Beides hilft, Modick auf seinen „krummen Touren“ mit angemessenen Schritten folgen zu können. Denn einige der 19 Geschichten können nicht verhehlen, dass wir es mit Handwerksstücken zu tun haben, die für den Tag geschrieben wurden. Im Allgemeinen erweist sich der 1951 in Oldenburg geborene Autor als versierter Routinier, der es versteht, Spannung aufzubauen, Pointen zu setzen, mit ein paar Strichen Figuren, Milieus, Orte und Stimmungen zu zeichnen.
Etliche Texte sind autobiografisch grundiert, manche klingen „wie ein kleines Abenteuer aus den großen Sommern meiner Kindertage“. Da geht es um Kindheit und Jugend in Norddeutschland, die Leiden und Segnungen der Pubertät, an deren heroische Akte – etwa den Kauf des Weißen Albums der Beatles – sich der Erzähler wohlig erinnert. Akte der Revolte in den frühen 70ern in einem provinziellen Umfeld, das kaum revoltenferner zu denken ist – was auch auf die renitenten Jugendlichen am Jadebusen abfärbt, verspeist man doch beispielsweise nach dem Rockkonzert im Dangaster Kurhaus inklusive notorischen Drogenkonsums mit Hingabe ein Stück Rhabarberkuchen.
Es sind solche kleinen Bilder, in denen sich Modicks Kunstfertigkeit niederschlägt: die Präzision des sich erinnernden oder beobachtenden Blicks, die (selbst-)ironische Zuspitzung, die den Autor vor dem Abgleiten ins Klischee oder gar den Kitsch schützt. Nicht immer, denn gelegentlich neigt Modick dazu, es sich ein bisschen zu einfach zu machen, zum Beispiel, indem die Pointe jener Geschichte, in der ein deutscher Germanist in Japan in arge Bedrängnis gerät, durch die bekannten Problemen der Japaner mit der Artikulation der deutschen Sprache motiviert wird: „Herr Reimann?, fragte der Japaner und machte einen weiteren Bückling. Es hatte wie Hell Leimann geklungen.“ Oder wenn solch ungeschickte Sätze auf dem Papier stehen bleiben: „Mit vor Erschütterung bebender Stimme ging er davon aus, dass ich heute bereits den Kulturteil der Zeitung gelesen hätte.“