Poetische Provinz zwischen ´neulich´ und ´einstmals´
Dabei spielt der im Buchtitel auftauchende Friedberger Onkel eine wichtige Rolle. Er ist der „Dorfschluri“. Einer, „der an Baustellen herumsteht und schaut“. Ein Teil der Landschaft also, mit einem bestimmten Geruch versehen – keinem unbedingt guten, wie der Leser gleich eingangs erfährt. Geburtsbehindert, waldfanatisch und hemmungslos dem Henninger-Bier ergeben. Ein Original und Außenseiter, dem Neffen einerseits zeitlebens verhasst und dennoch innerlich-geheimes Vorbild. Dem er immer ähnlicher wird, weil sich in ihm für Andreas Maier das Unverbogene verkörpert, alles Echte einer Wetterau, die bald nur noch eine einzige große Umgehungsstraße sein wird, wie der Nachfahre fürchtet.
Von der Figur des Onkels aus jedenfalls wird erzählt. Er ist der geheime Bezugspunkt aller versammelten Texte. Ihn im Rücken kann Andreas Maier ausschweifen. Erst in die Nähe, etwa zur Frankfurter Eintracht, Maiers Fußballklub, auf den Friedberger Friedhof ans Familiengrab, ins Forsthaus Winterstein – bitte nicht verwechseln mit dem Jagdhaus Ossenheim! – oder in die Justizvollzugsanstalt Butzbach, wo der Autor länger liest als je zuvor und Gestalten begegnet, die seinem letzten großen Roman entsprungen sein könnten. Aber auch bis nach Berlin treibt es den mit allen Fasern an der Heimat Hängenden und sich schon in der nahen Mainmetropole als Migrant Fühlenden. Und aus dem Wendland bringt er die feste Überzeugung mit, dass dort, wo Landesgartenschauen und Ortsumgehungsstraßen zunehmend Raum einnehmen, Heimat tot ist und Widerstand gegen den „Verschönerungs- und Umgehungsirrsinn“ zwecklos.
Wer Maiers Weg als Schriftsteller im letzten Jahrzehnt lesend verfolgt hat, wird auf Erhellendes zu den bisher vorliegenden vier Romanen in den kleinen Prosaskizzen stoßen. An vielen Stellen wird er sich erinnert fühlen an das wunderbare, gemeinsam mit Christine Büchner geschriebene Bullau (2006), das den bedrohten Details von Heimat ein Denkmal setzt mittels (be-)sinnlicher Gänge durch die Natur. Skandälchen wie das um die Potsdamer Stadtschreiberschaft blitzen noch einmal auf und Menschen, denen sich der Autor verbunden fühlt und die in seinem Werk und seinem Weltverständnis Spuren hinterlassen haben, werden liebevoll porträtiert.