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Freitag, 25. Mai 2012 | 17:43

 

Klaus Haag: winterwölfe. 50 Gedichte.

21.03.2005


Poetisch im besten Wortsinne

Mit „winterwölfe“ stellt Klaus Haag seinen neuen Gedichtband vor, in ansprechender Aufmachung und limitierter Auflage zu seinem 50. Geburtstag bei Marsilius in Speyer verlegt.

 

Gehen wir von außen nach innen. Das Cover zeigt Wölfe im Schnee vor graublauvio-lettem Himmel, am linken Rand, senkrecht verlaufend, der Titel weiß auf blauem Grund. Auf Seite 62 dann „winterwölfe“, ein programmatisches Gedicht, ein poetologisches, wenn man so will, handelt es doch von der Kraft der Metaphern, Räume zu überwinden, ja, Mauern zu durchbrechen, die die Menschen voneinander trennen. Gleichzeitig aber verweisen sie auf „sorge und atemnot“, auf den kommenden Tod.

Haags Gedichte sind alle um eine Mittelachse gesetzt, sind in sich selbst verankert, und dennoch kann sie der Leser um ihre Achse drehen, sich einen anderen, eigenen, neuen Zugang verschaffen. Die Typografie dient als Hinweis auf die und als Verstärkung der Intention der Texte.

50 Jahre - 50 Gedichte

50 Gedichte, für jedes Lebensjahr des Autors eines, eine originelle Idee, die trägt. Berühren die Gedichte doch viele Bereiche des Lebens, seiner Möglichkeiten und Vergeblichkeiten, des Versagens und Gewinnens, des freien Spiels und der dunklen Bedrohung. Sie spiegeln erinnertes Leben wider und ahnen Zukünftiges. Mit einem Wort, diese Gedichte sind im besten Wortsinne poetisch.
Dabei wohnt den meisten eine gewisse Heiterkeit inne, die von einem Abstand zu den Dingen zeugt. 50 Jahre sind ein halbes Jahrhundert. In „blau sein haar“ spielt Haag mit Versatzstücken aus Literatur- und Kunstgeschichte und bleibt doch ernst im Heiteren. Einige Gedichte handeln von der Natur, sowohl konkret als auch metaphorisch. Der „tupfenkater“, fähig, „den weiten weltraum zu erobern sich“, als erwünschtes alter ego des „spröden menschen“, dem „schwarz die nacht auch dann / wenn sterne lieblich funkeln.“.
Und, Klaus Haag ist Speyrer aus Passion. So sind einige Gedichte Freunden in der Domstadt und dieser selbst gewidmet, wie könnte man dies trennen. „frühling in speyer / für werner schineller“ fasst zusammen, was Speyer ausmacht, und kommt zum berechtigten Schluss: „an dieser stadt gehst du grußlos wandrer nicht vorbei.“. Ein anderes Speyer-Gedicht thematisiert „sophie und dies haus“, gemeint ist Sophie La Roche, die einige Jahre in Speyer gelebt hat, just in dem Haus, wo heute der Marsilius-Verlag sein Domizil hat.
Haags Gedichte fordern zum Wiederlesen heraus. „ihr standpunkt ist / einnehmbar“.

Rainer Wedler


Klaus Haag: winterwölfe. 50 Gedichte.
Marsilius Verlag. 2004.
10,00 ¤
ISBN 3-929242-35-4

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